Ethik

Pflegeethik

 

 

 

Ich bin Kinderkrankenschwester. Manchmal weiß ich nicht, ob ich meinen Fürsorgepflichten einem kranken Kind gegenüber gerecht werden kann, wenn die Eltern etwas anderes wollen als das, was ich für richtig und geboten halte.


Ich bin Krankenschwester in einer Frauenklinik. Seitdem ich selbst eine Fehlgeburt erlitten habe, fällt es mir zunehmend schwer, Patientinnen, die zu einer Abruptio kommen, prä- und postoperativ zu pflegen.


Ich bin Fachkrankenpfleger auf einer Intensivstation. Unsere Stationsleitung hat immer wieder auf unsere Unterbesetzung hingewiesen, was von den Verantwortlichen tagsüber gehört wird. Im Nachtdienst aber müssen wir Notfälle in die gesperrten Betten aufnehmen, wodurch wir die anderen Patienten nicht mehr adäquat versorgen können.


Ich bin Altenpflegerin in einem Altenpflegeheim. Neulich haben wir eine hochbetagte Bewohnerin reanimiert. Als sie aus dem Krankenhaus zu uns zurückverlegt worden ist, habe ich sie nicht wiedererkannt. Ich hoffe, dass ich bei der nächsten Reanimation keinen Dienst habe.


Ich bin Krankenschwester und arbeite in der ambulanten Pflege. Wenn kaum Verkehr ist, ich vor jeder Haustür direkt einen Parkplatz finde und die Patienten keinen Gesprächsbedarf und keine zusätzlichen Probleme haben, komme ich mit meiner Zeit hin. Das passiert aber vielleicht einmal im Monat.


Wir Pflegenden könnten diesen Beispielen noch ungezählte weitere hinzufügen.


Pflegeethik ist eine Form der „angewandten Ethik“. Die Pflegenden setzen dabei ethische Fragen in Beziehung
• zur eigenen Person,
• zur eigenen Berufsgruppe,
• zu anderen Berufsgruppen,
• zu Patienten,
• zu Angehörigen,
• zu Strukturen (z.B. Hierarchien),
• zur Umwelt (z.B. Gesellschaft, Politik, Finanzen)
• und zu der Tätigkeit „Pflege“ an sich.

Die Pflege verfügt bereits über berufseigene Grundnormen, z.B.:

  • Das Gelübde von Florence Nightingale (1893) galt bis weit in das 20. Jahrhundert hinein als ethische Richtschnur und war nahezu ausschließlich auf den moralischen Charakter der Pflegepersonen und auf Regeln der Etikette gerichtet.
  • Der Kodex des International Council of Nurses (ICN) (1953, letzte Revision 2005) beschreibt die grundlegenden Aufgaben der Pflegepersonen, grundlegende Werte und Normen der Berufsangehörigen (Achtung vor dem Leben, der Würde, den Grundrechten des Menschen etc.) und die Beziehung der Berufsangehörigen zu ihren Mitmenschen, zur Berufsausübung, zur Profession sowie die Kooperation mit Kollegen und anderen Professionen.
  • Weitere Kodizes verschiedener Berufsverbände der Pflege.
  • Die „Charta für Kinder im Krankenhaus“ (1988), verabschiedet durch die 1. Europäische „Kind im Krankenhaus“-Konferenz in Holland.
  • Die Rahmen-Berufsordnungen des Deutschen Pflegerats (DPR) (2004). 
  • Die „Charta der Rechte hilfe- und pflegebedürftiger Menschen“ (2005) vom „Runden Tisch Pflege“ im Auftrag der Bundesministerien für Familie, Senioren, Frauen und Jugend sowie Gesundheit, an dem sich Vertreterinnen und Vertreter aus Verbänden, Ländern und Kommunen, Praxis und Wissenschaft beteiligten.

Pflegende, die sich mit ethischen Fragen auseinandersetzen (müssen), wollen und brauchen den Austausch darüber. Noch gibt es keine landesweite Struktur dafür. Die Landespflegekammer RLP hat es sich zur Aufgabe gemacht, diesen Austausch zu fördern. Dafür hat sie das Ressort „Ethik“ geschaffen, welches sich jetzt im Aufbau befindet.

Wenn auch Sie (als Mitglied der Landespflegekammer RLP) Interesse an diesem Aufbau haben, dann möchte ich Sie gerne zu einem dieser Treffen einladen:

  • Donnerstag, 03.11.2016 von 17 – 19 Uhr
    in 56179 Vallendar, Philosophisch-Theologische Hochschule Vallendar, Pallottistraße 3
  • Dienstag, 22.11.2016 von 17 – 19 Uhr
    in 55116 Mainz, neue Geschäftsstelle der Landespflegekammer, Große Bleiche 14 - 16
  • Mittwoch, 23.11.2016 von 17 – 19 Uhr
    in 67433 Neustadt, DRK Schwesternschaft Rheinpfalz-Saar e.V., Sauterstraße 81

Alle drei Termine sind vorbereitende "Gründertreffen", die noch unverbindlichen und informellen Charakter haben sollen. Inhaltlich sind sie identisch geplant, somit können Sie sich den Termin aussuchen, der Ihnen zeitlich und räumlich am günstigsten ist.

  • 4. Gründertreffen Ethik
    Donnerstag, 23.02.2017 von 17-19 Uhr
    im Brüderkrankenhaus Trier, Nordalle , 54292 Trier, Lukas - Saal

    Für unsere weitere Planung bitten wir Sie vorher um Rückmeldung an meine oder diese Adresse: elke.feist@pflegekammer-rlp.de, mit der Information, an welchem dieser angebotenen Termine Sie teilnehmen können.

Werden Sie aktiv, entscheiden und entwickeln Sie mit, was professionell Pflegende in RLP brauchen! Denn nur begründetes Handeln kann verantwortliches Handeln sein.

Ich freue mich auf eine gute Zusammenarbeit!

Renate Herzer
Vorstand der Landespflegekammer RLP

renate.herzer@pflegekammer-rlp.de