23.11.2017, Mainz

Gewalt in der Pflege bleibt auch 2018 Thema der Landespflegekammer

Erster  Todestag

 

Prof. i. R. Dr. phil. KARIN WITTNEBEN,  geb. Claussen

diplomierte Krankenschwester,  RN,  MSc., Pflegelehrerin (Wb.),  Pflegepädagogin

(* 18. August 1935,  Kiel  /  …  23. November 2016, Laatzen bei Hannover)

Heute vor einem Jahr ist Frau Prof. i.R. Dr. Karin Wittneben nach einer längeren Phase der Erkrankung im Alter von 81 Jahren in Laatzen gestorben.

Bis zu ihrem Tod lebte sie mit ihrem Ehemann einige Jahre  in einem evangelisch-diakonischen Stift der Altenhilfe in Hannover; dort wurde sie auch am 22. Dezember auf dem stiftseigenen Friedhof beigesetzt.

Die Landespflegekammer Rheinland-Pfalz war mit einem Kranz vertreten, da die Trauerfeier und Urnenbeisetzung laut Mitteilung in der Todesanzeige in aller Stille stattfinden sollte.

An diese bedeutende Persönlichkeit, der persönliche bzw. akademische Eitelkeiten fremd waren, und die von einer beeindruckenden allgemeinen und fachlichen ebenso wie von einer ethischen und ästhetischen Bildung geprägt war, soll mit dieser Pressemitteilung anlässlich ihres ersten Todestages dankbar erinnert werden.

Ihr exaktes und reflektiertes wissenschaftliches und forschendes Arbeiten, ihre Tätigkeit als Hochschullehrerin für Erziehungswissenschaft an der beruflichen Fachrichtung Gesundheit der Universität Hamburg mit dem Schwerpunkt Didaktik (1993), ihre aktive Mitgliedschaft im Deutschen Verein zur Förderung der Pflegewissenschaft und – forschung e.V. [heute: Deutsche Gesellschaft für Pflegewissenschaft (DGP) e.V.], insbesondere in der Sektion „Hochschullehre Pflegewissenschaft“ (1996), deren langjährige Sprecherin sie in der AG „Wissenschaftstheorie“ war, sowie ihr publizistisches Wirken als Fachbuchautorin und im Rahmen richtungsweisender Aufsätze und Leitartikel in diversen Fachjournalen, haben Karin Wittnebens herausragenden Ruf als Pflegewissenschaftlerin, insbesondere auf dem Gebiet der Pflegepädagogik, begründet.

Hervorgehoben werden sollte diesbezüglich ihr bereits in der 5. Auflage erschienenes Fachbuch Pflegekonzepte in der Weiterbildung für Pflegelehrerinnen und Pflegelehrer: Leitlinien einer kritisch-konstruktiven Pflegelernfelddidaktik (2003), dass auf Wittnebens Dissertation (Universität Hannover, 1991) zurückgeht und in der Reihe (11) der Europäischen Hochschulschriften erschienen ist, sowie ihre Mitwirkung als Autorin im Rahmen historischer Pflegeforschung [„Biographisches Lexikon zur Pflegegeschichte: Who was who in nursing history“ in sieben Bänden, Nidda: 2015, u.a.].

Karin Wittneben, die nach einer langjährigen Tätigkeit als klinische Krankenschwester und  in der pflegeberuflichen Fort- und Weiterbildung, das Studium der Erziehungswissenschaft, Soziologie & Psychologie (Universität Hannover) sowie der Erziehungs- und Pflegewissenschaft (University of Wisconsin) aufgenommen und erfolgreich abgeschlossen hatte, gehört zu den Geburtsjahrgängen (1925-1950) von deutschen Krankenschwestern, die nach langjähriger Krankenpflegetätigkeit, erst spät eine Weiterbildung zur Pflegelehrerin bzw. akademische Abschlüsse an deutsch- und englischsprachigen Universitäten im In- und Ausland erworben haben, da dieser Bildungsweg für Krankenschwestern in Deutschland damals nicht grundsätzlich üblich und auch mit besonderen Herausforderungen verbunden war.

Daher teilt Karin Wittneben mit Kolleginnen dieser Jahrgänge auch, dass sie Hochschullehrerinnen (und zum Teil sogar Gründungsdekaninnen) in Pflegestudiengängen wurden, in einem Lebensalter, wo andere sich bereits mit dem nahenden Ruhestand vertraut machen.

Ebenso gehört Wittneben auch zu jenen Persönlichkeiten in der Pflege, die vom anglo - amerikanischen Pflegebildungssystem nachhaltig geprägt wurden und dem ethischen Ideal Florence Nightingales verbunden waren.

In diesem Ideal hoher allgemeiner und fachlicher Bildung, persönlicher Verlässlichkeit und  gelebter Zwischenmenschlichkeit wie einer fortwährenden Zugewandtheit zu Menschen, die ihr als Patienten, Schüler und Mitarbeiter anvertraut waren, hat Karin Wittneben gewirkt und hat sich mit anderen deutschen Krankenschwestern ihrer Generation, auf unterschiedlichsten Gebieten der beruflichen Pflege, außerordentliche Verdienste erworben und gehört – wie andere – zu deren bedeutendsten Pionierinnen und Berufsreformerinnen.

Von ihrer umfassenden (philosophischen und ästhetischen) Bildung, ihrer Weite im Denken und ihrer Tiefe im menschlichen Erleben, zeugt der Sinnspruch, der der dem Trauerbrief für Karin Wittneben entnommen ist  und der auch am Ende dieses Nachrufes zu ihrem ersten Todestag stehen soll:

... mir bleibe, was ich habe oder auch weniger, dass ich nur selbst leben kann für den Rest meines Lebens, wenn mir die Götter einen Lebensrest überlassen wollen. – Guter Vorrat an Büchern und an Feldfrucht wohlbemessen für ein Jahr, sei mir zuteil, und dass ich nicht hin und her schwanke in der Hoffnung auf die unsichere künftige Stunde.“

 

Mainz, den 23. November 2017

Paul Günter M. Livio

 

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