13.10.2017, Mainz

Professionell Pflegende brauchen mehr Kompetenzen

Spezialisierung der Pflegenden kann durch neues Berufegesetz ausgeweitet werden

Im Rahmen des 1. Meisenheimer Pflegetags diskutiert der Präsident der rheinland-pfälzischen Landespflegekammer, Dr. Markus Mai, heute über die dringend notwendige weitergehende Professionalisierung der Berufsgruppe auch anhand der international anerkannten Advanced Nursing Practice (ANP). „Komplexe Krankheitsbilder, Multimorbidität sowie eine älter werdende Gesellschaft bedingt eine professionelle und spezialisierte Pflege. Der Bedarf an professioneller Pflege ist massiv gestiegen. Dieser Bedarf muss sich in der Ausbildung und der sich anschließenden lebenslangen Spezialisierung niederschlagen.“

In der Vergangenheit wurde Pflege häufig auf eine assistierende Tätigkeit für den ärztlichen Bereich reduziert. Auch auf-grund der wachsenden Anzahl an grundständig pflegeberufsausbildender Studiengänge und der fortschreitenden Akademi-sierung im Bereich von Management, Forschung und Lehre stellt Pflege, mittlerweile auch in Deutschland, eine Profession dar. Somit eröffnen sich den Pflegefachpersonen weitere Entwicklungs- und Karrierechancen in einem immer ausdifferen-zierteren und spezialisierten Handlungsfeld der Gesundheitsversorgung. Eine Ausprägung ist die erweiterte und vertiefte praktische Pflege analog der ANP.

Das neue Pflegeberufegesetz, um das viel zu lange in viel zu unwürdiger Weise geschachert wurde, legt den Grundstein für eine generalistische Pflegeausbildung mit anschließender Spezialisierung. „Die Spezialisierungen der Kolleginnen und Kollegen werden in den Fort- und Weiterbildungsordnungen geregelt. Damit werden wir als Pflegende dem wachsenden Bedarf an steigender Professionalisierung unserer Berufsgruppe selbst gerecht“, stellt Mai dar und fordert gleichzeitig einen weitergehenden Einbezug der professionell Pflegenden an Entwicklungsprozessen im Gesundheitswesen.

„Pflegeexpertinnen und –experten verfügen in einigen Ländern über die Kompetenzen Diagnosen zu stellen, Sachmittel und Medikamente zu verordnen, Therapien zu verordnen und Ein- bzw. Überweisungen ins Krankenhaus, an die Hausarztpraxis oder an weitere Gesundheitsberufe durchzuführen. Diese Kompetenzen verbunden mit dem notwendigen Erwerb der entsprechenden Fähigkeiten brauchen wir auch in Deutschland. Dafür müssen die Ausbildungsstätten und die Hochschulen im Land, an denen diesbezügliche Studiengänge zu etablieren sind, bedarfsgerecht ausgestattet werden. Rheinland-Pfalz müsse hier auch im Rahmen der Fachkräfteinitiative 2.0 Leuchtturmfunktion übernehmen. Es gelte nicht nur die Perspektiven für pflegeunterstützende Berufsfelder weiterzudenken. Vielmehr muss Pflege auch für Personen mit unterschiedlichen, auch mit höheren, Bildungsabschlüssen attraktive Entwicklungsperspektiven vorhalten.

Im Rahmen der ANP werden Forschung, Studieninhalte und Managementkenntnisse intensiv miteinander verbunden. Von großer Relevanz ist dabei der Transfer pflegewissenschaftlicher Standards in die pflegerische Praxis. Damit können die professionell Pflegenden den gestiegenen Anforderungen an Qualität und Effektivität der pflegerischen Versorgung gerecht werden.

„Die Entgelte für die derart ausgebildeten und spezialisierten Berufsangehörigen müssen natürlich auch entsprechend angepasst werden. Diese Aufgabe müssen die Tarifparteien dann ordentlich lösen“, so Mai.

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