Dauerkompensation und keine Erholung in Sicht

Mainz, 19.7.2022

Lage der pflegerischen Versorgung vor Ort spitzt sich zu – Personalausfälle zum Teil enorm

Die Zahl der Corona-Fälle nimmt stetig zu und mit ihnen die Belastung in der pflegerischen Versorgung durch hohe Ausfallzahlen, psychisch belastende Situationen und dauerhaftes Arbeiten unter Schutzausrüstung, bei einer ohnehin stark angespannten Personalsituation. Hinzu kommen neue Rekordtemperaturen von bis zu 40 Grad Celsius, die die Arbeitsbelastung weiter steigern. Bei der Landespflegekammer mehren sich die Berichte über zum Teil enorme Personalausfälle, geschlossene Stationen, reduzierte OP‘s und der Beschreibung einer Situation, die kurz vor dem Zusammenbruch steht. Hierzu Präsident Dr. Markus Mai

„Die Situation vor Ort ist sehr ernst. Wir erhalten verzweifelte Meldungen aus dem gesamten Praxisfeld, dass die Personalausfälle weit über dem normalen Niveau liegen und die Versorgung vielerorts bereits runtergefahren wird. Die steigenden Corona-Zahlen und ihre Folgen in der Versorgung führen zu einer Kettenreaktion, wenn Personalausfälle die ohnehin schon höchst angespannte Situation weiter belasten. Dauerkompensation durch die verbleibenden Kolleginnen und Kollegen, ohne Aussicht auf Erholung, führt schnell zu weiteren Ausfällen“.

„Die Kolleginnen und Kollegen sind entrüstet, dass es scheinbar niemanden interessiert, wenn sie auf Kosten ihrer eigenen Gesundheit das System, und damit die pflegerische Versorgung unser aller Familienmitglieder, über mittlerweile zwei Pandemiejahre hinweg, irgendwie am Laufen halten. Eine jahrzehntelang kaputtgesparte Berufsgruppe ist mittlerweile am Ende ihrer Kraft angelangt. Wir brauchen schnelle Entlastungen vor Ort, mit Geld, mit sofort greifender Gesetzgebung, notfalls mit der klaren Rationierung von Leistungen“, so Mai.

„Wenn ich auf eine wahrscheinliche, weitere Corona-Welle im Herbst blicke, wird deutlich, wie mit der Berufsgruppe umgegangen wird. Wir hätten uns längst in der Umsetzung einer allgemeinen Impflicht befinden können, um so wenigstens das Nötigste zu tun, um die Folgen der Pandemie für die Versorgung zu mildern. Statt entschlossenem Handeln müssen wir zaudern und politische Ränkespiele mitansehen. Es scheint leider einer Mehrheit im Bundestag immer noch nicht bewusst zu sein, auf welchem Eskalationsgrad wir uns schon bewegen. Stattdessen werden die Pflegenden im Land sehenden Auges in die nächste Corona-Welle entlassen. Wir bewegen uns schon im Abgrund, das muss jedem klar sein. Da helfen auch keine kleinen Maßnahmen mehr. Vielmehr müssen wir jetzt schnell über kurzfristige Entlastung durch Einschränkung reden, auch wenn uns das als Gesellschaft sehr weh tun wird“, beschreibt Mai abschließend die Situation.

 

 

Zurück