Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer

Mainz, 19.10.2018

Neues Teilzeitgesetz ist Schritt in die richtige Richtung – aber für die Pflege nicht ausreichend

„Wir begrüßen, dass der Gesetzgeber nun arbeitnehmerfreundliche Regelungen zur Teilzeit und ein Rückkehrrecht auf Vollzeitbeschäftigung beschlossen hat“, erklärt Dr. Markus Mai, Präsident der Landespflegekammer Rheinland-Pfalz. „Gerade in der Pflege fehlt es an guten Konzepten, die die Vereinbarkeit von Familie und Beruf fördern. Das neue Teilzeitgesetz ist für die Pflege ein kleiner Schritt in die richtige Richtung. Aber wir brauchen dringend eine massive Verbesserung der Rahmenbedingungen, damit sich junge Menschen dauerhaft für den Pflegeberuf entscheiden.“


Der Bundestag hat am gestrigen Donnerstag, den 18.10.2018 das neue Teilzeitgesetz beschlossen. Arbeitnehmer in Deutschland erhalten damit ein Recht auf die Rückkehr von einer Teilzeitstelle in Vollzeit. Die sogenannte Brückenteilzeit wird zu Beginn des Jahres 2019 eingeführt. Die Arbeitszeit kann ab dann für ein bis fünf Jahre verringert werden. Das gilt jedoch nur für Unternehmen mit mehr als 45 Arbeitnehmern. Im Zuge des Beratungsprozesses wurde immer wieder auch auf eine Verbesserung für Beschäftigte in der Pflege hingewiesen.


„Der Hauptgrund für Teilzeit in der Pflege ist oft nicht die Familienplanung oder die Pflege von Angehörigen, sondern die immense Arbeitsbelastung. Die berufliche Pflege sieht sich einer stetig steigenden Zahl an multimorbiden Patienten und Bewohnern gegenüber bei gleichzeitiger massiver Personalknappheit. Das Pflegesystem steht kurz vor dem Kollaps“, machte Mai deutlich. Die Politik sei aufgefordert, noch mehr Mut zu zeigen, um die prekäre Situation in der Pflege schnell zu beenden. Es müssten grundlegende Reformen im Bereich der Pflege her, denn jeder Mensch habe das Recht auf eine gute pflegerische Versorgung bei Krankheit und im Alter.


„Insbesondere im Bereich der ambulanten Pflege und der Altenpflege muss schnell für Entlastung gesorgt werden. Die Kolleginnen und Kollegen vor Ort sagen uns deutlich, dass die bisherigen Gesetzesvorstöße noch lange nicht reichen. Es bedarf zum Beispiel dringend Regelungen, die die befristete Einstellung von Hilfskräften als Ersatz für vollwertige Pflegefachpersonen zeitlich und mengenmäßig begrenzen. Wir stehen hier als Partner für die Politik bereit und bringen unser Fachwissen und die Erfahrungen aus der Praxis gerne ein“, so Mai abschließend.

 

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