Entgelt in der Pflege - offener Brief an die Tarifpartner

Mainz, 8.3.2021

Landespflegekammer bekräftigt Forderung nach 4.000 Euro Einstiegsgehalt

Sehr geehrte Tarifpartner,

seit März letzten Jahres steht die professionelle Pflege im Zentrum der öffentlichen Aufmerksamkeit. Das gesellschaftliche Gewicht, das der professionellen Pflege derzeit zuteilwird, ist ein Fundament, auf das wir die positive Entwicklung der Pflegeberufe bauen sollten. Unabdingbarer Bestandteil eines attraktiven Berufes, der zukunftsfähig ist und ein Ansehen erringt, das seiner gesellschaftlichen Relevanz gerecht wird, ist, neben deutlich besseren Rahmenbedingungen, eine angemessene Bezahlung. Bereits seit mehr als drei Jahren vertrete ich als Präsident der Landespflegekammer Rheinland-Pfalz die Forderung nach einem Grundgehalt von mindestens 4.000 Euro für professionelle Pflegekräfte. Dieser Forderung haben sich mittlerweile viele Berufsverbände sowie alle bestehenden Pflegekammern angeschlossen.

Im Sinne unserer Kolleginnen und Kollegen, die schon vor dieser Pandemie über das Zumutbare hinaus arbeiteten und unter schwierigsten Umständen den Menschen ganzheitlich und als Kern ihres professionellen Handelns verstehen, bitte ich Sie, die Forderung nach 4.000 Euro Einstiegsgehalt für vollzeitbeschäftigte Pflegefachpersonen zu unterstützen. Ebenso bitte ich Sie, Ihrer gesamtgesellschaftlichen Verantwortung gerecht zu werden und bei Entscheidungen zu flächendeckenden Tarifverträgen über Partikularinteressen hinweg, den Blick auf das große Ganze zu richten. Schließlich geht es darum, einem elementaren Bereich unserer Gesellschaft, auf den jede und jeder von uns einmal angewiesen sein wird, das zu geben, was er benötigt, um würdiges Altern und gute gesundheitliche Versorgung zu gewährleisten.

Die professionelle Pflege will ihrem Auftrag nachkommen. Dafür bedarf es aber eines extrem deutlichen Signals der echten Wertschätzung durch die Gesellschaft. Ansonsten wird es uns nicht gelingen, den erheblichen Mehrbedarf an pflegerisch qualifiziertem Fachpersonal zu decken! Es liegt in unserer gemeinsamen Verantwortung, das zu ermöglichen.

Sehr geehrte Damen und Herren, der Pflegebonus war der sprichwörtliche Tropfen auf den heißen Stein – und der leider nur für diejenigen, die ihn auch tatsächlich bekommen haben. Wir sind überzeugt davon, dass Einmalzahlungen dem Berufsstand nicht weiterhelfen. Wären die Löhne angemessen, bräuchte man diese Einmalzuwendungen erst gar nicht. Mit gemeinsamer Anstrengung kann es uns jetzt gelingen, die Pflege für die Zukunft aufzustellen, unsere Familien im Fall der Fälle gut versorgt zu wissen und unseren Kolleginnen und Kollegen mehr zu bieten als warme Worte und Applaus.

Ich bitte Sie herzlich, ziehen wir für die über 43.000 Pflegefachpersonen in Rheinland-Pfalz und für die 1,4 Millionen professionell Pflegenden in ganz Deutschland an einem Strang. Auch Arbeitgeberverbände können als Tarifpartner entsprechende Vorschläge machen. Insofern sind alle aufgefordert, hier deutlich in Führung zu gehen!

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Markus Mai
Präsident

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