Fachkräftemangel in der Pflege bedroht das Gesundheitswesen

Mainz, 02.08.2019

Landespflegekammer fordert neues Vergütungsmodell und mehr Ausbildungskapazitäten – Zusammenarbeit der pflegepolitischen Akteure wichtiger denn je

„Die Versäumnisse der letzten Jahre im deutschen Gesundheitswesen zeigen nun ihre Wirkung: Jetzt ist das Gejammere groß. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) klagt zurecht über den Fachkräftemangel in der professionellen Pflege. Doch dürfen wir nicht vergessen, dass auch die Krankenhauswirtschaft über Jahrzehnte zu dieser katastrophalen Personalsituation beigetragen hat. Über die gesetzlich festgeschriebenen Sanktionen braucht man sich da nicht zu beschweren, diese sind nur eine logische Konsequenz. Wer bei einer lapidaren Personalvorhaltung auch noch eine Belohnung erwartet, der ist sich der dramatischen Lage einfach noch nicht bewusst. Als Landespflegekammer plädieren wir für eine massive Erhöhung der Ausbildungskapazitäten sowie für eine längst fällige Anpassung des Vergütungsmodells in der beruflichen Pflege. Neben den Gewerkschaften fordern wir auch die DKG auf, sich für Bruttogehälter jenseits der 4.000 € brutto im Monat für Pflegefachkräfte einzusetzen. Nur so kann der Beruf im Kontext der vielen anderen interessanten Berufsfelder für junge Berufseinsteiger schnell an Attraktivität gewinnen. Dies ist die wichtigste Voraussetzung dafür, dass in Zukunft die Arbeitsbelastung bewältigt werden kann“, so Dr. Markus Mai, Präsident der Landespflegekammer Rheinland-Pfalz.

Die Zahlen über das Pflegestellen-Förderprogramm des GKV-Spitzenverbandes zeigen, dass im vergangenen Jahr lediglich 100 zusätzliche Pflegekräfte rekrutiert wurden. Dieses Ergebnis ist laut Mai alarmierend und muss als Weckruf gesehen werden. Dazu kommen die Folgen des demografischen Wandels: Ein leer gefegter Arbeitsmarkt ohne qualifizierte Nachwuchskräfte könnte in naher Zukunft zu einem Kollaps des deutschen Gesundheitssystems führen.

„Wenn die Zahl der Pflegebedürftigen steigt und die Zahl der Pflegefachkräfte gleichzeitig sinkt, kann sich jeder die Konsequenzen selbst ausmalen. Für die Bekämpfung des Fachkräftemangels ist es unerlässlich, dass Pflegefachkräfte endlich für ihr tagtägliches Engagement gerecht vergütet werden und wir mehr Ausbildungsmöglichkeiten schaffen. Die Anwerbung von Pflegefachkräften aus dem Ausland kann temporär ebenfalls nützlich sein, sollte aber nicht als rettender Lösungsansatz gedacht werden. Auch die Berufsgruppe selbst muss sich auf qualitativ hochwertige Modelle der intra- und interprofessionellen Aufgabenteilung einstellen, um langfristig ein angemessenes Versorgungsniveau sicherzustellen. Vor allem aber gilt eins: Stoppen können wir die Fehlentwicklungen in der beruflichen Pflege nur gemeinsam. Daher rufen wir alle pflegepolitischen Akteure – ob nun Ministerien, Arbeitnehmer- oder Arbeitergeberbände – dazu auf, ernstgemeint mit uns an einem Strang zu ziehen und durch langfristige Maßnahmen der Berufsgruppe den Rücken zu stärken“, betont Mai.

Zurück