Konzertierte Aktion Pflege: Fehlentwicklungen müssen angegangen werden

03.07.2018, Mainz

Maßnahmenpaket gegen Personalnot in der Pflege muss grundlegende Veränderungen bringen

„Es ist bereits kurz nach 12“, beschreibt Sandra Postel, Vizepräsidentin der Landespflegekammer, die aktuelle Situation in der Pflege in Deutschland. „Das spürt nun auch die Politik. Die von der Bundesregierung ausgerufene ‚Konzertierte Aktion Pflege‘ ist deshalb ein richtiger Schritt, die massiven Fehlentwicklungen der letzten Jahrzehnte in der Pflege endlich anzugehen. Entscheidend ist dabei jedoch, ob die Maßnahmen am Ende mutig genug sind, das Pflegesystem grundsätzlich neu zu gestalten.“

Heute fiel der Startschuss für die „Konzertierte Aktion Pflege“ der Bundesregierung, mit der Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU), Familienministerin Franziska Giffey (SPD) und Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) innerhalb eines Jahres Pläne für attraktivere Arbeitsbedingungen in der Pflege vorlegen wollen. Ziel ist, den Arbeitsalltag und die Arbeitsbedingungen von Pflegekräften spürbar zu verbessern, die Pflegefachpersonen zu entlasten und die Ausbildung in der Pflege zu stärken. In fünf Arbeitsgruppen sollen hierzu, zusammen mit Akteuren des Sozialsystems und der Pflege, konkrete Maßnahmen erarbeitet werden.

Postel warnt eindringlich davor, ausgehöhlte politische Maßnahmen und Kompromisse mit der Arbeitgeberseite zu konstruieren. Die Landespflegekammer fordere eine fachlich fundierte Neustrukturierung der Ausbildungsberufe, fachlich geeignete, gesetzliche Personalbemessungsinstrumente, gute gesetzliche Fachkraftquoten, die Einbindung von beruflich Pflegenden in die Selbstverwaltung des deutschen Gesundheitswesens und vor allem eine deutliche Erhöhung der finanziellen Mittel im System.

„Wir brauchen dringend wirkungsvolle gesetzliche Regelungen und Investitionen in Milliardenhöhe. Wir schätzten den Bedarf an zusätzlichen Pflegefachpersonen auf über 120.000 Vollzeitkräfte, um gute Pflege sicherstellen zu können. Die Frage lautet am Ende: Was ist uns gute Pflege wert?“, so Postel abschließend.       

Zurück