Konzertierte Aktion Pflege – Vorsätzliche Schwächung der professionellen Pflege!?

16.08.2018, Mainz

Arbeitgebereinfluss zu Lasten professioneller Pflege in Pilotprojekten deutlich zu spüren

„Wir müssen enttäuscht feststellen, dass die privaten Arbeitgeberverbände im Dachgremium der Konzertierten Aktion Pflege ihre Interessen offensichtlich erfolgreich durchsetzen können“, erklärt Dr. Markus Mai, Präsident der Landespflegekammer Rheinland-Pfalz. „Der ungebremste Drang nach billigen Arbeitskräften in der Altenpflege führt ausschließlich zu einer Deprofessionalisierung, schränkt die Attraktivität des Pflegeberufs weiter massiv ein und gefährdet am Ende die Versorgungssicherheit.“, so Mai weiter.

Stein des Anstoßes ist, dass in einem bislang nicht thematisierten Pilotprojekt der Konzertierten Aktion Pflege 15.000 Pflegehilfskräfte im Rahmen einer Qualifizierungsmaßnahme, unter Steuerung des Bundesgesundheitsministeriums, für die medizinische Behandlungspflege in Altenpflegeeinrichtungen fortgebildet werden sollen. Laut ÄrzteZeitung sehe das Programm einen zeitlichen Rahmen von 188 Stunden mit einer abschließenden Prüfung vor. Die so fortgebildeten Pflegehilfskräfte sollen hierdurch berechtigt werden, medizinische Behandlungspflege durchzuführen. Anschließend bestünde für Einrichtungen die Möglichkeit, die so qualifizierten Hilfskräfte auf die Fachkraftquote anzurechnen. Die Kosten des Projekts beliefen sich auf 36 Millionen Euro. Daneben sollen weitere Berufsgruppen wie Physiotherapie oder Sozialassistenten die Behandlungspflege erbringen dürfen. "Das sich die Ministerien dieser Themenstellung überhaupt annehmen, zeige, dass die Politik die Pflege immer noch nicht verstanden habe. Eine derartige Zergliederung der professionellen Pflegeaufgaben kann sich nur schädlich für die Pflegebedürftigen auswirken und werde von uns auf keinen Fall so unterstützt und akzeptiert!", so Mai.

„Selbstverständlich kann man Pflegehilfskräfte nicht mit ein paar Stunden Fortbildung dazu befähigen, in einem immer komplexer werdenden Pflegesetting eine professionelle und qualitativ hochwertige Pflegeleistung zu erbringen. Es ist offensichtlich, dass hier wieder einmal nur finanzielle Aspekte eine Rolle spielen. Der gesellschaftliche Wille, eine gute und am Menschen orientierte Pflege für Alle sicherzustellen ist unlängst, durch die ständige Präsenz des Themas in der Öffentlichkeit, deutlich formuliert worden. Geldgier und gute Pflege schließen sich jedoch aus“, gibt Mai zu bedenken.

„Wir sehen hier die Pflegeverbände und den Pflegebevollmächtigten der Bundesregierung, die im Dachgremium vertreten sind, in der Pflicht, den massiven Arbeitgeberinteressen Einhalt zu gebieten“, erklärte Mai. Er sehe aber auch, dass eine durchschlagsfähige Interessenvertretung für die professionelle Pflege nur mit einer Vereinigung der Landespflegekammern auf der Bundesebene gewährleistet werden kann. Momentan fehle dieser starke und wichtige Player am Verhandlungstisch, sodass die Arbeitgeberverbände ihre altbekannten Interessen durchsetzen könnten. Wenn es nicht um die aktive Gefährdung von Menschenleben gehen würde, könne man vom "Ausverkauf der professionellen Pflege" sprechen.

 

Zurück