Mehr Testungen dürfen nicht zu Nachlässigkeit im individuellen Schutzverhalten führen

Mainz, 6.10.2020

Referentenentwurf sieht Ausbau von Covid-19-Tests in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen vor – Hohe Testquoten sind zu begrüßen, dürfen uns aber nicht in falscher Sicherheit wiegen

„Seit Beginn der Coronakrise spricht sich die Landespflegekammer für regelmäßige Testungen in Krankenhäusern, ambulanten Pflegeeinrichtungen und Pflegeheimen aus. Daher freuen wir uns über die neue Initiative des Bundesgesundheitsministeriums, mit der die Zahl der Tests auf SARS-CoV-2 ausgebaut werden soll. Klar ist aber auch, dass Testungen nicht zu einer trügerischen Sicherheit führen dürfen. Denn bei einem mit dem Virus infizierten Menschen kann weiterhin das Risiko bestehen, dass schwere Erkrankungsfolgen auftreten. Letztlich muss auch immer von einer Latenzzeit ausgegangen werden, bis zu der ein Test anschlägt. Das ist vor allem heikel, da in den Test-Retest-Perioden Übertragungen nicht auszuschließen sind. Mehr Testungen in systemrelevanten Bereichen sind daher immer zu befürworten. Diese müssen dann aber fachgerecht, regelmäßig und je Einrichtung beispielsweise testkohortenbezogen durchgeführt werden. Ansonsten laufen wir Gefahr, dass die Maßnahmen nicht ihre vollen Wirkmöglichkeiten entfalten und zudem noch für die Pflege und weitere Bereiche wichtige Finanzmittel nicht angemessen eingesetzt werden“, so Dr. Markus Mai, Präsident der Landespflegekammer Rheinland-Pfalz.

Alten- und Pflegeheime sollen ab dem 15. Oktober 2020 flächendeckend Corona-Tests durchführen. Das geht aus dem Referentenentwurf zur Überarbeitung der Coronavirus-Testverordnung hervor, die Bundesgesundheitsminister Jens Spahn vorgelegt hat. Werde in solchen Einrichtungen eine Infektion festgestellt, habe jeder, der in den vorangegangenen zehn Tagen dort gewesen sei, Anspruch auf einen Test, heißt es in dem Entwurf. Laut der Deutschen Stiftung Patientenschutz käme die Hälfte bisheriger Covid-19-Opfer aus Pflegeheimen. Neben den anlassbezogenen Testungen sind zukünftig auch Testungen bei Besuchern und Mitarbeitern refinanziert, die als POC Antigen-Tests (Schnelltest) bis zu einer in der Verordnung vorgegebenen Menge voll refinanziert werden sollen.

„Als eine Möglichkeit könnte ich mir „kohortenbezogene“ Testregime vorstellen, sodass täglich immer nur ein Teil der gesamten Betroffenengruppe einer Einheit getestet wird. Dies hätte zur Folge, dass täglich in jeweils gleichen Abteilungen bei wechselnden Personen Abstriche gemacht und diese gegebenenfalls wöchentlich wiederholt werden. Natürlich würde dies zu einem organisatorischen Zusatzaufwand führen. Die Bundesländer sind nun aufgefordert, die entsprechenden Rahmenvorgaben zu schaffen, damit möglichst schnell auch Handlungssicherheit für unsere Mitglieder besteht. Die sehr begrüßenswerte Ausweitung von Testungen darf uns nicht in eine falsche Sicherheit wiegen. Neben den Testungen sind die Sicherheitsmaßnahmen wie Abstand, Maske, Händehygiene und in geschlossenen Räumen regelhaftes Lüften von entscheidender Bedeutung“, sagt Mai.

 

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