Neues Jahr, alte Herausforderungen

Mainz, 23.01.2019

Neue Gesetzesgrundlage und Wahlergebnis aus NRW machen Mut - Zusammenarbeit mit Gewerkschaften wichtiger denn je

„Im vergangenen Jahr wurden auf politischer Ebene einige wichtige Entscheidungen für die Pflege in Deutschland getroffen. Dazu gehört unter anderem das von der Bundesregierung beschlossene Pflegepersonalstärkungsgesetz (PpSG). Mit dieser Initiative hat man definitiv ein positives Signal in Richtung der professionell Pflegenden gesendet. Allerdings ist es nun wichtig, die Umsetzung in diesem Jahr genau unter die Lupe zu nehmen. Viel zu lang mussten Pflegefachkräfte auf einen Vorstoß der Politik warten. Für das Jahr 2019 erhoffen wir uns daher, dass die Rahmenbedingungen in der Pflege endlich verbessert werden, da die vergangenen Jahrzehnte lediglich als Armutszeugnis bezeichnet werden können“, sagt Dr. Markus Mai, Präsident der Landespflegekammer Rheinland-Pfalz.

Das Jahr 2018 endete mit der Verabschiedung des PpSG und den darin enthaltenen Änderungen, die seit Anfang Januar gelten. Der Start ins neue Jahr ist ebenfalls geglückt; das Wahlergebnis aus Nordrhein-Westfalen zeigte bei den befragten Pflegefachpersonen des bevölkerungsreichsten Bundeslandes eine sehr deutliche Zustimmung für die Errichtung einer Pflegekammer. Beide Entwicklungen lassen also optimistisch in das bevorstehende Jahr blicken. Doch die Bemühungen dürfen damit nicht aufhören, da beruflich Pflegende noch immer nicht gerecht für die von ihnen verrichtete Arbeit belohnt werden. Daher ist nicht nur die Errichtung weiterer Pflegekammern, sondern auch die Zusammenarbeit mit den Gewerkschaften wichtiger denn je.

„Wir fordern ein Bruttogrundgehalt für vollzeitbeschäftigte Pflegefachkräfte von mindestens 4.000 Euro im Monat sowie eine deutlich bessere Entschädigung für die Arbeit zu unattraktiven Dienstzeiten. Wenn wir den Pflegeberuf künftig auch für junge Berufseinsteiger attraktiv machen wollen, dann müssen wir neben massiver Entlastung der derzeit eingesetzten Pflegefachkräfte in erster Linie für eine angemessene Vergütung sorgen. Dies erreichen wir allerdings nur durch eine produktive Zusammenarbeit mit den Gewerkschaften. Die Ausbeutung in der Pflege muss ein Ende haben, mit einer fairen Entlohnung aller beruflich Pflegenden stehen wir aber dafür noch zu sehr am Anfang“, so Mai.

Insbesondere in der ambulanten Pflege fordert Mai Nachbesserungen, da sie ansonsten sehr schnell zur Pflege zweiter Klasse werden könnte. Die bessere Honorierung der Wegzeiten im ländlichen Raum allein reiche bei Weitem nicht aus, um die Kollegen in der ambulanten Pflege zu entlasten.

„Gerade in diesem Bereich erwarte ich noch eine deutliche Nachbesserung, damit die ambulante Pflege nicht abgehängt wird. Hier brauchen wir deutlich mehr Personal. Ansonsten laufen wir Gefahr, dass Patienten ihr Vertrauen in die ambulante Versorgung verlieren und das obwohl sie gerne in einem vertrauten Umfeld gepflegt werden möchten. Zudem muss auch die stationäre Altenpflege neben den schon zugesagten 13.000 zusätzlichen Stellen deutlich aufgewertet werden, ohne dass dafür die Pflegebedürftigen zur Kasse gebeten werden. Der Vorschlag von Jens Spahn, steuerfinanzierte Aspekte in die Finanzierung zu integrieren, ist deshalb vorbehaltlos zu unterstützen“, sagt Mai.

Zurück