Personalbedarf in der Pflege mit geeigneten Instrumenten messen

Mainz, 20.10.2021

SPD, Grüne und FDP planen Arbeitsgruppe für das Thema „Gesundheit und Pflege“

Dem Thema „Gesundheit und Pflege“ wird sich eine Arbeitsgruppe von SPD, Grünen und FDP bei den Gesprächen über eine Ampel-Koalition widmen. Insgesamt sind 22 Arbeitsgruppen geplant. Das be­richtet die Nachrichtenagentur AFP. Gerade in puncto Pflegepersonalquotienten besteht laut Dr. Markus Mai, Präsident der Landespflegekammer Rheinland-Pfalz, noch erheblicher Verbesserungsbedarf. Dazu erklärt Mai:

„Pflegepersonalquotienten sind für die Vergleichbarkeit von Einrichtungen nicht geeignet. Sie stellen eine ausschließlich ökonomische Größe anhand der DRGs dar und konterkarieren den Ansatz, die Pflege aus diesem Klassifikationssystem rauszunehmen. Medizinische Diagnosen können keinesfalls als angemessene Triggergrößen für den pflegerischen Personalbedarf betrachtet werden. Insofern eignen sie sich auch nicht für vergleichende Darstellungen, weil nicht klar ist, was hier überhaupt gemessen wird. Mit Qualität hat das ganz und gar nichts zu tun und ist daher auch grundlegend abzulehnen. Die Herausrechnung der COVID-Fälle benachteiligt jene Krankenhäuser, die viele dieser Fälle bearbeitet haben. Vergleiche sind auch im Jahresverlauf 2020 aufgrund der ausschließlich ökonomischen Betrachtungsweise nicht sinnvoll. Allein der Begriff „Pflegelast“ ist despektierlich und beschreibt das Desaster sehr deutlich. Pflege ist keine Belastung, sondern ein elementarer Teil der Patientenversorgung im Krankenhaus!“

„Von der Politik und den Ökonomen wünschen wir uns daher, hier bitte keine Vergleiche anzustellen, die dann wiederum zu falschen Personalentscheidungen führen werden. Benötigt wird vielmehr ein sich an den echten Versorgungsbedarfen orientierendes Personalbedarfseinschätzungsinstrument. Die sogenannte PPR 2.0 darf hier nur übergangsweise genutzt werden und stellt nach meiner wissenschaftlichen Überzeugung keine Grundlage für eine Weiterentwicklung zu einem bedarfsbezogenen Personalbemessungsinstrument dar, wie dies schon teilweise von Interessenverbänden gefordert wurde. Wenn wir nicht den Mut haben, nachhaltig neu zu denken, wird die Personalbedarfsberechnung im Krankenhaus weiter Alibi für subjektive Einschätzung bleiben. So entsteht dann das Risiko, dass Versorgungsbedarfe nicht angemessen abgedeckt werden und massenweise den Patientinnen und Patienten angemessene Versorgung vorenthalten wird. Darunter leiden dann auch unsere Mitglieder, was wir so selbstverständlich nicht unterstützen können“, so Mai.

 

Zurück