Profitorientierung gefährdet pflegerische Versorgung

Mainz, 27.7.2021

Milliardengeschäft in der Altenpflege geht zu Lasten des Pflegepersonals

Während Pflegefachpersonen in Heimen tagtäglich an ihre Belastungsgrenze stoßen, machen internationale Konzerne und Finanzinvestoren mit der Altenpflege ein Milliardengeschäft. Zu diesem Ergebnis kommt das Journalistenteam Investigate Europe. So verwalten die 20 größten Konzerne europaweit mehr als 4.681 Heime für mehr als 400.000 Pflegebedürftige. Die zunehmende Privatisierung in vielen EU-Ländern führt zu Einsparungen beim Personal und Mängeln bei der Pflegequalität. Dies wäre angesichts der Coronapandemie besonders verheerend: Fast die Hälfte aller COVID-Toten waren Bewohner von Altenheimen. Dazu Andrea Bergsträßer, Vizepräsidentin der Landespflegekammer Rheinland-Pfalz:

„Diese Entwicklung ist sehr besorgniserregend. Die Profitorientierung der Konzerne führt dazu, dass der Mensch nicht mehr an erster Stelle steht. Opfer dieser skrupellosen Geschäftsmodelle sind sowohl die überlasteten Pflegefachpersonen als auch die Heimbewohner. Längerfristig müssen wir mit einer Gefährdung der pflegerischen Versorgung rechnen, wenn diesen unmenschlichen Machenschaften kein Riegel vorgeschoben wird. Der Gedanke, dass die psychische als auch physische Belastung des Pflegepersonals aufgrund der Gier einiger großer Konzerne immer weiter zunimmt, ist perfide. Die Coronapandemie hat einmal mehr zum Ausdruck gebracht, wie wichtig die berufliche Pflege für unser Gesundheitswesen ist. Belohnt wird das Ganze mit Einsparungen beim Personal und einer menschenunwürdigen Versorgung der Patienten.“

„Die Grundwerte der Pflege werden durch diese Geschäftspraktiken mit den Füßen getreten. Daher ist es an der Zeit, verbindliche Vorgaben zu erarbeiten, an die sich vor allem die großen Konzerne zu halten haben. Wenn man schon Riesengewinne erwirtschaftet, dann müssen diese bitte auch an der richtigen Stelle eingesetzt werden. Ich denke da insbesondere an eine bessere Personalausstattung sowie an eine gerechtere Vergütungsstruktur. Dies würde auch der von der Landespflegekammer verabschiedeten Berufsordnung gerecht werden, die ganz klar vorsieht, dass Pflegefachpersonen unter den richtigen Arbeitsbedingungen ihrer Tätigkeit nachgehen können“, so Bergsträßer.

 

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