Richtungsweisendes Ergebnis in Nordrhein-Westfalen

Mainz, 10.01.2019

Mehrheit der Befragten spricht sich für die Einrichtung einer Pflegekammer aus – Pflegering stößt auf wenig Begeisterung

„Wir freuen uns sehr darüber, dass sich eine überwältigende Mehrheit der Befragten in Nordrhein-Westfalen für die Errichtung einer Pflegekammer ausgesprochen hat. Wir möchten zunächst die vielen Kolleginnen und Kollegen des Landespflegerates, des Fördervereines und der Berufsverbände beglückwünschen, die mit hohem Einsatz viele Informationsveranstaltungen im Land durchgeführt haben. Wir möchten ebenso Landesgesundheitsminister Karl-Josef Laumann beglückwünschen, der sich trotz des großen Widerstands seiner CDU durchsetzen konnte, um die Kammerbewegung in NRW voranzubringen. Mit diesem Ergebnis nimmt die Kammerbewegung auch im neuen Jahr Fahrt auf, da sich informierte Pflegefachpersonen eindeutig für eine Pflegekammer und gegen die Einrichtung eines Pflegerings nach bayerischem Modell ausgesprochen haben. Nur mit einer effektiven Selbstverwaltung in Form einer Pflegekammer lassen sich die großen Herausforderungen der Pflege meistern. Die Zustimmung im bevölkerungsreichsten Bundesland macht sowohl uns als auch Befürwortern der Pflegekammer in anderen Ländern Mut. Wir hoffen nun, dass der Funke überspringt und sich weitere Länder anschließen“, sagt Dr. Markus Mai, Präsident der Landespflegekammer Rheinland-Pfalz.

In der repräsentativen Umfrage von Oktober 2018 haben sich insgesamt 79 Prozent der befragten Pflegefachkräfte für die Errichtung einer Pflegekammer ausgesprochen. Sieben Prozent plädierten ausschließlich für einen Pflegering, während 20 Prozent sowohl die Errichtung einer Pflegekammer als auch eines Pflegerings befürworteten. Nur acht Prozent haben sich gegen eine Interessenvertretung für die Pflege ausgesprochen, sechs Prozent waren dagegen unentschlossen. Demnach wünschen sich 86 Prozent der insgesamt 1.500 Befragten grundsätzlich eine Interessenvertretung. Landesgesundheitsminister Karl-Josef Laumann kündigte bei der Veröffentlichung der Zahlen an, einen entsprechenden Gesetzentwurf noch vor der Sommerpause im Landtag einbringen zu wollen. Der Aufbau der Pflegekammer soll vom Land Nordrhein-Westfalen mit 5 Millionen Euro unterstützt werden.

„Auch im neuen Jahr müssen wir uns den alten Problemen stellen. Das Pflegepersonalstärkungsgesetz war ein wichtiger Vorstoß auf Bundesebene. Doch 13.000 neue Stellen in der Altenpflege sowie das Einführen vom Personaluntergrenzen werden bei Weitem nicht ausreichen, um die Rahmenbedingungen für die professionell Pflegenden auf ein würdevolles Niveau zu heben. Daher sind selbstorganisierte Interessenvertretungen in den einzelnen Ländern wichtiger denn je. Nur mit ihnen lässt sich sicherstellen, dass die Belange der Pflegefachkräfte von der Politik wahrgenommen und umgesetzt werden. Nun hoffen wir auf eine schnelle Umsetzung in Nordrhein-Westfalen und weitere positive Entwicklungen in Bundesländern wie Baden-Württemberg und Brandenburg, damit die Bemühungen aus dem letzten Jahr nicht verpuffen“, betont Mai.

Zu den Argumenten für die Gründung einer Pflegekammer sprechen nach Einschätzung der Befragten vor allem die Stärkung der Pflege durch den Zusammenschluss aller Pflegekräfte in NRW (83 Prozent Zustimmung) sowie die Pflichtmitgliedschaft (82 Prozent Zustimmung), wodurch die Pflege an Stärke und Einfluss gewinnen würde. Die Aussage, dass eine Pflegekammer ihren Mitgliedern keine nennenswerten Vorteile bieten könne, stieß bei den Befragten auf Ablehnung. Die Gesamtzahl der 1.500 Befragten setzt sich aus 500 Pflegefachkräften aus Krankenhäusern, 550 aus Pflegeheimen sowie 450 aus ambulanten Pflegediensten zusammen.  

 

Zurück