Unzufriedenheit in der Pflege betrifft alle

Mainz, 3.2.2022

Landespflegekammer Rheinland-Pfalz und Institut für Demoskopie Allensbach stellen Ergebnisse ihrer gemeinsamen Umfrage vor

Bei der heutigen Pressekonferenz stellte die Landespflegekammer Rheinland-Pfalz in ihrer Geschäftsstelle die Ergebnisse einer Umfrage zur „Situation von Pflegefachpersonen in der Coronapandemie“ vor. Diese wurde im vergangenen Jahr beim Institut für Demoskopie Allensbach (IfD) in Auftrag gegeben, das seit 1947 zu den renommiertesten Gesellschaften der Meinungsforschung zählt. Während Projektleiter Dr. Thomas Petersen (IfD) zu Beginn der Pressekonferenz die zentralen Ergebnisse der Befragung präsentierte, gaben Dr. Markus Mai (Präsident der Landespflegekammer Rheinland-Pfalz) und Professorin Brigitte Anderl-Doliwa (Vorständin der Landespflegekammer Rheinland-Pfalz) einen Ausblick über die berufliche Pflege.

„Die Umfrageergebnisse zeigen ganz eindeutig, dass die Pflege in einem besorgniserregenden Zustand ist und somit die Sorgen und Ängste der Pflegefachpersonen begründet sind. In Pflegeheimen, Krankenhäusern und ambulanten Pflegediensten herrscht Unzufriedenheit, was vor allem auf die zu hohe Arbeitsbelastung zurückgeht. Daher plädieren wir für staatliche Mittel zur Förderung von Entlastungsmaßnahmen für professionell Pflegende. Zudem müssen wir alles daransetzen, einen noch größeren Personalschwund zu verhindern. Eine finanzielle Unterstützung bei der Reduktion von Arbeitszeit sowie die Förderung von Erholungsmaßnahmen wären hierfür adäquate Mittel. Auch möchten wir an dieser Stelle betonten, dass neben der Intensivpflege und der Langzeitpflege ebenfalls die Situation in der psychiatrischen Pflege wieder stärker in den Fokus geraten muss“, so Anderl-Doliwa.

„Die Unzufriedenheit in der beruflichen Pflege wächst. Oft muss sich die Berufsgruppe anhören, dass dies leere Behauptungen seien. Nun haben wir konkrete Zahlen, die genau das belegen. Ein größer werdender Personalengpass in Heimen und Krankenhäusern stellt auch automatisch eine Gefahr für die pflegerische Versorgung der Bevölkerung dar. Eine Investition in die Pflege ist damit eine Investition in alle. Ein Mindesteinstiegsgehalt von 4.000 Euro wäre ein guter Anfang. Auch das Arbeitgeberlager der Tarifparteien sehen wir hier in der Pflicht, entsprechende Vorschläge in die Tarifverhandlungen einzubringen. Bis dahin fordern wir als Sofortmaßnahme von politischer Seite einen Steuerfreibetrag von mindestens 1.000 Euro pro Monat, damit wenigstens mehr Netto vom Brutto verbleibt. Personen, bei denen der Steuerfreibetrag nicht greift, sollten entsprechende staatliche Zulagen erhalten, damit hier keine Benachteiligung entsteht“, so Mai. 

„Zudem müssen wir dafür sorgen, dass das Bild des Pflegeberufs aufgewertet wird. Voranbringen der Akademisierung, der Pflege vorbehaltene Tätigkeiten ausbauen sowie eine an die jeweilige Personalsituation angepasste Belegung und Versorgung sollten in alle Überlegungen miteinbezogen werden. Zur Attraktivitätssteigerung im Beruf wird auch die Übernahme weiterer heilkundlicher Aufgaben beitragen, weil dadurch unnötige Abstimmungsschleifen vermieden werden. Die Ergebnisse unserer Umfrage belegen die Notwendigkeit dieser Maßnahmen eindrucksvoll“, erklärt Mai weiter.

Die Aufzeichnung der Pressekonferenz können Sie sich auf dem YouTube-Kanal der Landespflegekammer anschauen.

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