Mainz, 16. Juli 2025 – Rund 30 Prozent der Auszubildenden in der Pflege lösen ihren Ausbildungsvertrag vorzeitig auf. Die Landespflegekammer Rheinland-Pfalz sieht darin ein ernstzunehmendes Warnsignal.
Ein häufiger Grund für den Ausbildungsabbruch ist laut Fachleuten der sogenannte Realitätsschock: Die tatsächlichen Anforderungen im Pflegealltag weichen oft deutlich von den Erwartungen der Auszubildenden ab. Belastungen und Verantwortung werden vielfach unterschätzt. Um Abbrüchen vorzubeugen, sei es wichtig, das Berufsbild bereits vor Ausbildungsbeginn realistisch zu vermitteln.
Innerhalb der Pflegekammer wird daher diskutiert, ob ein soziales Jahr vor der Ausbildung zur Orientierung beitragen könnte. Während eine verpflichtende Einführung unterschiedlich bewertet wird, gilt ein freiwilliges Engagement im Vorfeld als sinnvoller Weg zur Berufsorientierung.
Zugleich berichten Ausbildungsbetriebe zunehmend von Jugendlichen, die nur unzureichend vorbereitet in die Ausbildung starten. Zur Unterstützung bietet das Land Rheinland-Pfalz bereits das Projekt „Assistierte Ausbildung in der Krankenpflegehilfe“ an. Es richtet sich gezielt an junge Menschen mit besonderem Unterstützungsbedarf und soll helfen, Abbrüche zu vermeiden und den Einstieg in die Pflege zu erleichtern.
Darüber hinaus, so die Landespflegekammer, könnte ein flächendeckendes sozialpädagogisches Angebot in den Pflegeschulen nützlich sein. Dieses Angebot kann helfen, Probleme frühzeitig zu erkennen, Unterstützung anzubieten und die Erfahrungen im Berufsalltag gemeinsam zu reflektieren.
Pflegekammerpräsident Dr. Markus Mai fordert zusätzliche strukturelle Verbesserungen: „Im Praxisfeld müssen für Auszubildende geeignete Unterstützungen geschaffen und vollständig finanziert werden. Ausbildung ist eine wesentliche Voraussetzung zur Gewährleistung von sicheren Pflegesettings in der Zukunft. Wir brauchen verlässliche Rahmenbedingungen, um im Wettbewerb um Fachkräfte zu bestehen.“ Dazu zählten auch planbare Arbeitszeiten, eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie sowie ausreichend Personal, um spontane Einsätze zu reduzieren.