Mainz, 07. Juli 2026 – Was tun, wenn Pflegefachpersonen im Arbeitsalltag den Verdacht haben, dass ein Kind vernachlässigt, misshandelt oder sexuell missbraucht wird? Um sich zu dieser sensiblen Frage auszutauschen, haben sich Vertreter der Landespflegekammer Rheinland-Pfalz mit Carina Kneip, Präventionsexpertin beim Landeskriminalamt (LKA) Rheinland-Pfalz, getroffen. Ziel des ersten Austauschs war es, eine engere Zusammenarbeit zu vereinbaren.
Pflegefachpersonen begegnen Kindern und Jugendlichen in ganz unterschiedlichen Situationen – auf Kinderstationen, in Fachkliniken oder im Rahmen der ambulanten Pflege. Dabei nehmen sie auch Hinweise auf Gefährdungen wahr, etwa bei der häuslichen Versorgung von Eltern oder Großeltern.
„Pflegefachpersonen genießen großes Vertrauen und haben häufig einen unmittelbaren Einblick in die Lebenssituation von Familien. Dadurch erkennen sie oft als Erste Anzeichen einer Kindeswohlgefährdung. Dann ist es wichtig zu wissen, wie gehandelt werden muss“, sagt Thorsten Müller, Geschäftsführer der Landespflegekammer.
Mit der Änderung des rheinland-pfälzischen Heilberufsgesetzes wurden die Berufspflichten zum Schutz besonders schutzbedürftiger Menschen konkretisiert. Kammermitglieder sind verpflichtet, auf Anzeichen von Vernachlässigung, Missbrauch oder Misshandlung zu achten und geeignete Schutz- und Unterstützungsmaßnahmen einzuleiten. Dabei arbeiten sie insbesondere mit den Jugendämtern, der öffentlichen und freien Jugendhilfe sowie dem öffentlichen Gesundheitssystem zusammen. Zudem erlaubt das Heilberufsgesetz einen fallbezogenen interkollegialen Austausch, wenn dieser zur Einschätzung einer möglichen Gefährdung erforderlich ist.
Die Landespflegekammer unterstützt ihre Mitglieder dabei mit Beratung und Orientierungshilfen. Nach den Sommerferien ist zudem ein kostenloses Webinar in Zusammenarbeit mit dem LKA geplant. Dort erhalten Kammermitglieder praxisnahe Informationen zum Erkennen von Kindeswohlgefährdungen sowie zum richtigen Vorgehen und zu bestehenden Hilfsangeboten.
Unterstützt wird die Kooperation durch die Expertise des LKA: Carina Kneip ist Sozialpädagogin sowie Beccaria-Fachkraft für Kriminalprävention. Zu ihren Schwerpunkten gehören der Schutz von Kindern vor sexualisierter Gewalt sowie die Umsetzung von Präventionsmaßnahmen im Rahmen des Programms „Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes“.
Weitere Informationen finden Interessierte auf der Website der Landespflegekammer: www.pflegekammer-rlp.de