Pflegekammer warnt: Geplante Sparpläne gefährden die pflegerische Versorgung im Krankenhaus

Mainz, 10. Juni 2026 – Die derzeit diskutierten Maßnahmen zur finanziellen Stabilisierung der gesetzlichen Krankenversicherung stoßen bei der Landespflegekammer Rheinland-Pfalz auf deutliche Kritik. Aus Sicht der Kammer drohen die Pläne genau die positiven Entwicklungen zurückzudrehen, die nach der Corona-Pandemie bewusst angestoßen wurden, um die pflegerische Versorgung langfristig und zukunftssicher aufzustellen.

 

Die Pandemie hat die unverzichtbare Rolle der professionellen Pflege für das Gesundheitswesen überdeutlich gemacht. Gleichzeitig steht die Versorgung vor enormen demographischen Herausforderungen: Während der Pflegebedarf kontinuierlich steigt, scheiden in den kommenden Jahren viele erfahrene Pflegefachpersonen altersbedingt aus.  Vor diesem Hintergrund wurden seit 2020 wichtige Reformen auf den Weg gebracht. Investitionen in eine bessere Personalausstattung und gezielte Entlastungsmaßnahmen haben die Attraktivität des Berufsfeldes gestärkt, was sich nicht zuletzt in steigenden Ausbildungszahlen widerspiegelt.

 

„Dennoch arbeiten Pflegefachpersonen vielerorts nach wie vor am Limit. Die geplanten Sparmaßnahmen drohen die Situation nun wieder massiv zu verschärfen“, warnt Dr. Markus Mai, Präsident der Landespflegekammer Rheinland-Pfalz. „Wer jetzt an den Strukturen spart, die mühsam für Entlastung und eine bessere Personalausstattung geschaffen wurden, gefährdet die Fortschritte der vergangenen Jahre und konterkariert die Gewinnung neuer Fachkräfte.“

 

Besonders kritisch bewertet die Kammer die geplante Deckelung des Pflegebudgets. Zudem sollen bestimmte pflegeunterstützende Leistungen künftig nicht mehr über das Pflegebudget finanziert werden. Gerade dies ermöglicht es den Pflegefachpersonen jedoch, sich auf ihre Kernaufgaben in der direkten Patientenversorgung zu konzentrieren.  Die Pflegekammer fordert daher nachdrücklich, das Pflegebudget in seiner bisherigen Form zu erhalten und dauerhaft als eigenständige dritte Finanzierungssäule zu etablieren.

 

Mit großer Sorge blickt die Kammer zudem auf die geplante Begrenzung der Refinanzierung künftiger Tarifsteigerungen. Wenn Krankenhäuser künftig die Hälfte der zusätzlichen Personalkosten selbst tragen müssen, erzeugt dies einen enormen wirtschaftlichen Druck. Die Folgen wären drohender Personalabbau, eine weiter steigende Arbeitsbelastung sowie ein erhöhtes Risiko an Krankenhausinsolvenzen. Die Auswirkungen würden letztlich die Patientinnen und Patienten treffen: Wenn Leistungen reduziert werden müssen, drohen spürbare Versorgungslücken und Gefahren für die Patientensicherheit.

 

Die Landespflegekammer unterstützt ausdrücklich das Ziel, die Finanzen der gesetzlichen Krankenversicherung nachhaltig zu konsolidieren – lehnt den gewählten Weg jedoch ab. „Die Lösung darf nicht darin bestehen, ausgerechnet bei der direkten Versorgung zu sparen. Pflege ist kein Kostenfaktor, den man beliebig reduzieren kann“, betont Mai.

Stattdessen fordert die Pflegekammer eine konsequente Entlastung der Beitragszahlenden durch Strukturreformen: Versicherungsfremde Leistungen müssen vollständig aus der Beitragsfinanzierung gestrichen werden. „Es bedarf endlich einer systemischen und klaren Trennung zwischen den Kernaufgaben der gesetzlichen Krankenversicherung und der staatlichen Daseinsfürsorge“, so Mai abschließend.

Teile diesen Beitrag

Jetzt einloggen