Mainz, 06. März 2026 – Pflege- und Care-Arbeit wird überwiegend von Frauen geleistet. Auch unter den Menschen mit Pflegebedarf stellen Frauen die Mehrheit. Am Internationalen Frauentag erinnert die Pflegekammer an die Frauen, die den Großteil der professionellen wie auch der familiären Pflegearbeit leisten – in Einrichtungen, ambulanten Diensten und zu Hause.
„Den Leuten, die hier wohnen, denen schaffen wir Familie. So muss es sein.“ Die gelernte Altenpflegerin Cäcilia ist 83 Jahre alt. Bis zu ihrem 80. Geburtstag hat sie noch in Teilzeit gearbeitet, zuletzt mit 25 Prozent Stellenumfang. Seitdem engagiert sie sich ehrenamtlich in einem Trierer Altenheim. Sie besucht Bewohnerinnen, begleitet sie ins Krankenhaus, hält Kontakt zu Angehörigen – und vermittelt vor allem eines: das Gefühl, zu Hause, nicht allein zu sein. Der Beruf, so sieht es Altenpflegerin Cäcilia, sei für sie eine Berufung.
Frauen in Pflegeberufen übernehmen seit langem Verantwortung – fachlich fundiert, organisatorisch anspruchsvoll und mit großer menschlicher Kompetenz. Zum Internationalen Frauentag am 8. März rückt die Pflegekammer Rheinland-Pfalz diese Leistung in den Mittelpunkt.
Vom familiären Auftrag zum professionellen Heilberuf
Noch bis in die 1950er-Jahre war die Versorgung älterer Menschen vor allem Aufgabe der Familie oder kirchlicher Einrichtungen. Erst Ende der 1950er- und in den 1960er-Jahren entstanden geregelte Ausbildungsgänge. 1969 trat eine erste staatlich geregelte Ausbildungsordnung für die Altenpflege in Kraft. In den folgenden Jahrzehnten wurde die Ausbildung weiterentwickelt und verlängert.
Mit dem Altenpflegegesetz von 2003 wurde eine bundeseinheitliche, dreijährige Ausbildung verbindlich geregelt. Zuvor war die Ausbildung in vielen Bundesländern kürzer, teilweise mit Schulgeld verbunden und geringer vergütet als in der Krankenpflege. Viele Frauen entschieden sich dennoch bewusst für diesen Beruf – aus Überzeugung und Verantwortungsgefühl.
Gleichzeitig hielten sich lange verkürzte Vorstellungen wie „Pflegen kann jede Frau“. Solche Aussagen wurden der fachlichen Verantwortung und den hohen körperlichen wie psychischen Anforderungen des Berufs nicht gerecht.
Pflege heute: eigenständiger Heilberuf mit Verantwortung
Heute ist Pflege ein eigenständiger Heilberuf mit klar definierten Kompetenzen. Pflegefachpersonen planen und steuern den Pflegeprozess, führen pflegerische Maßnahmen durch, koordinieren Leistungen und sichern Lebensqualität im Alter. Gerade in der stationären Altenhilfe tragen sie umfassende Entscheidungsverantwortung.
Seit 2020 ersetzt die generalistische Ausbildung nach dem Pflegeberufegesetz die bisherigen Ausbildungen in der Altenpflege, Gesundheits- und Krankenpflege sowie Gesundheits- und Kinderkrankenpflege. Der Abschluss lautet Pflegefachfrau oder Pflegefachmann. Damit wurde die Gleichwertigkeit der Versorgungsbereiche gestärkt und die berufliche Mobilität erhöht. Jetzt muss die Politik die fachspezifische Weiterbildung nach der Berufszulassung stärken, um die notwendige Expertise in spezialisierten Bereichen wie der Geriatrie oder der Kinderkrankenpflege dauerhaft zu sichern.
Hohe Motivation, steigende Anforderungen
Viele wählen den Pflegeberuf, weil sie mit Menschen arbeiten und konkret helfen wollen. Diese Motivation verbindet Generationen. Praktika, ein Freiwilliges Soziales Jahr oder eine Tätigkeit als Pflegehelferin sind häufig der Einstieg.
Gleichzeitig steht die Pflege vor großen Herausforderungen. Der demografische Wandel erhöht den Bedarf an Leistungen deutlich. Bereits heute zählt die Pflege zu den größten Beschäftigungsfeldern. Zugleich sinkt die Zahl deutscher Bewerberinnen und Bewerber. Ohne internationale Fachkräfte wäre die Versorgung in vielen Einrichtungen nicht gesichert. Hinzu kommen umfangreiche Dokumentationspflichten und ein Arbeitsalltag, der häufig von Zeitdruck geprägt ist.
Frauen stärken, heißt Pflege stärken
Der Internationale Frauentag ist daher auch ein politischer Auftrag. Frauen in der Pflege brauchen verlässliche Rahmenbedingungen, angemessene Vergütung, Entwicklungsmöglichkeiten und eine stärkere Präsenz in Leitungsfunktionen.
Die Pflegekammer Rheinland-Pfalz setzt sich dafür ein, die professionelle Pflege weiter zu stärken und ihre Bedeutung klar zu benennen. Pflege ist ein verantwortungsvoller Beruf mit breitem Tätigkeitsspektrum und klaren Perspektiven – getragen von Frauen, die täglich Verantwortung für andere übernehmen.