Versorgungslücken in der Psychiatrie schließen. Pflegekammer stellt Profil für Advanced Practice Nurses (APN) vor

Mainz, 18. März 2026 – Menschen mit psychischen Erkrankungen benötigen eine eng abgestimmte und kontinuierliche Betreuung. Gleichzeitig zeigen sich in vielen Regionen Versorgungslücken – etwa bei der Koordination von Behandlungen oder bei der Unterstützung im Alltag. Die Landespflegekammer Rheinland-Pfalz hat deshalb heute ein Aufgabenprofil für Advanced Practice Nurses (APN) in der psychosozialen Versorgung vorgestellt.

 

Advanced Practice Nurses sind hochqualifizierte Pflegeexpertinnen und -experten mit Masterabschluss und erweiterten klinischen Kompetenzen. Sie können komplexe Situationen einschätzen, Versorgungsprozesse steuern und Patientinnen und Patienten sowie deren Angehörige über längere Zeit begleiten.

 

Das von einer Expertengruppe entwickelte Profil beschreibt, welche Aufgaben APNs übernehmen können – etwa umfassende Assessments, Pflege- und Behandlungsplanung, Case Management sowie Beratung und Schulung von Betroffenen und Angehörigen. Ziel ist es, Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen besser durch das Versorgungssystem zu begleiten und Unterstützung frühzeitig zu organisieren.

 

Ein Beispiel aus der Praxis zeigt ein Projekt am Pfalzklinikum. Dort führen speziell ausgebildete Pflegeexpertinnen präventive Hausbesuche bei älteren Menschen mit psychischen oder kognitiven Beeinträchtigungen durch. Sie erfassen gemeinsam mit den Betroffenen und ihren Angehörigen die gesundheitliche Situation, stimmen sich mit Fachärztinnen und Fachärzten sowie Hausärztinnen und Hausärzten ab und planen individuelle Unterstützungsmaßnahmen. So können Probleme früh erkannt und Krankenhausaufenthalte möglichst vermieden werden.

 

Die Pflegekammer betont zugleich die zentrale Rolle der pflegerischen Perspektive in der psychosozialen Versorgung. Pflege begleitet Menschen häufig über lange Zeit, organisiert Übergänge zwischen Versorgungsbereichen und behält den Alltag der Betroffenen im Blick – von Sicherheit und Orientierung bis hin zu Selbstständigkeit und sozialer Teilhabe.

 

Nach Einschätzung der Pflegekammer wird das Potenzial von Advanced Practice Nurses bislang noch zu wenig genutzt. Dabei könnten sie nicht nur in der Psychiatrie, sondern auch in der Wundversorgung, in hausärztlichen Praxen oder in der Versorgung chronisch kranker Menschen eine wichtige Rolle übernehmen.

 

Damit dieses Kompetenzprofil seine Wirkung entfalten kann, müssen APNs dauerhaft in die Versorgungsstrukturen integriert werden. Ihre Rolle dürfe nicht auf einzelne Modellprojekte beschränkt bleiben. Statt eines ständigen „Projekt-Hoppings“ brauche es verbindliche Strukturen und feste Stellen. Gleichzeitig fordert die Pflegekammer klare rechtliche Rahmenbedingungen für den Einsatz von APNs, insbesondere die Übertragung heilkundlicher Befugnisse.

 

„APNs können die Versorgung spürbar verbessern – gerade bei komplexen Krankheitsbildern. Dafür brauchen sie aber auch die passenden rechtlichen Möglichkeiten“, betont die Pflegekammer. Das neue Aufgabenprofil soll Einrichtungen und Trägern eine praxisnahe Orientierung geben, wie Advanced Practice Nurses künftig stärker in die Versorgung integriert werden können.

 

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