Mainz, 21. August 2026 – Wie viel Einfluss hat die Pflege auf politische Entscheidungen, die den Berufsalltag von Millionen Menschen prägen? Das neue Buch ‚Politische Partizipation in der Pflege – Ein Bildungsangebot und Weckruf zur Pflegekammer in Bayern‘ von Hannah Igl, Johannes Lichtenegger und Michael Bossle bringt diese Frage auf den Punkt. Die Landespflegekammer Rheinland-Pfalz würdigt das Werk als wichtigen Impuls für den fachlichen Austausch zum Kammersystem.
Im Hintergrund eines Krankenhauses oder einer Pflegeeinrichtung laufen alle organisatorischen Fäden zusammen. Doch diejenigen, die tagtäglich die direkte Pflegearbeit leisten, haben bei großen gesundheitspolitischen Weichenstellungen kaum ein Mitspracherecht. Das Buch zeigt anhand der Situation in Bayern – mit Strahlkraft auf ganz Deutschland –, wie wichtig es ist, dass Pflegefachpersonen ihre beruflichen Angelegenheiten selbstbewusst mitgestalten.
Freiwillige Verbände und Gewerkschaften sind unverzichtbar für Arbeitsbedingungen in der Pflege und Tarifverhandlungen. Sie stoßen jedoch an strukturelle Grenzen, da sie naturgemäß nur diejenigen vertreten, die sich freiwillig organisieren. Eine gesetzlich verankerte Kammer schließt diese Lücke. Als Körperschaft des öffentlichen Rechts vertritt sie die gesamte Berufsgruppe und gibt allen Pflegefachpersonen eine gemeinsame, starke Stimme – unabhängig von Arbeitgeber oder Einsatzbereich.
Politische Teilhabe darf nicht bei der individuellen Bereitschaft zum Engagement enden, lautet eine Kernbotschaft der Autor*innen. Sie braucht institutionelle Voraussetzungen, damit Vielfalt in der Pflege nicht zur Zersplitterung führt.
Eine Pflegekammer ersetzt weder Gewerkschaften noch Berufsverbände. Ihre Aufgabe ist es, die Profession in eigener Verantwortung zu ordnen, fachliche Standards mitzugestalten und die Interessen des Berufsstandes in die Politik zu tragen.
Das Buch verdeutlicht: Die gesetzlich geregelte Mitgliedschaft ist kein Widerspruch zur Demokratie, sondern schafft erst die Basis dafür, dass alle Berufsangehörigen einbezogen werden. Demokratische Legitimation entsteht genau dann, wenn man wählen kann, wer die eigenen Interessen vertritt.
‚Politische Partizipation in der Pflege‘ ist ein leidenschaftlicher Appell an Pflegefachpersonen in ganz Deutschland: Wer mitbestimmen will, braucht starke Strukturen – denn die Verantwortung für die eigene Profession liegt in den eigenen Händen.
Igl / Lichtenegger / Bossle
Politische Partizipation in der Pflege
Ein Bildungsangebot und Weckruf zur Pflegekammer in Bayern
Erscheinungsjahr 2026
ISBN: 978-3-662-73506-0
Verlag: Springer
Direkter Link zum Buch: https://link.springer.com/book/10.1007/978-3-662-73507-7