KV- Vorschlag nach übergangsweisen Pflegepraktika für angehende Ärzte löst keine Probleme

05.06.2018, Mainz

KV-Vorschlag nach übergangsweisen Pflegepraktika für angehende Ärzte löst keine Probleme

Bessere Zusammenarbeit zwischen den Berufsgruppen weiter fördern

Der Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Rheinland-Pfalz (KV), Dr. Peter Heinz, hatte in einem Zeitungsinterview verpflichtende Praktika in der Pflege für angehende Medizinstudierende angeregt, damit diese das Arbeitsumfeld eines Mediziners kennenlernen können. Dr. Markus Mai, Präsident der rheinland-pfälzischen Landespflegekammer, sieht die Idee kritisch.

„Zu glauben, dem Fachkräftemangel in der Pflege mit dieser Idee begegnen zu können ist abwegig“, weist Mai den vom KV- Vorsitzenden dargestellten Vorteil, dass mit einer solchen Regelung mit einem Schlag etwa „18.000 zusätzliche Pflegekräfte“ zur Verfügung stünden, energisch zurück. „Pflege ist eine hoch anspruchsvolle Aufgabe, die von hochqualifizierten und entsprechend aus- und weitergebildeten Personen ausgeübt werden muss. Ein halbjähriges Praktikum für angehende Studierende bedeutet eine zusätzliche Belastung für die professionell Pflegenden, die die jungen Leute zwangsläufig begleiten und beaufsichtigen müssen“, warnt Mai. Immer wieder würde darüber diskutiert, dass völlig unerfahrene und fachfremde Personengruppen als Pflegende eingesetzt werden könnten. „Dazu gehören selbstverständlich auch junge Studieninteressierte, die zumeist noch ohne Erfahrung sind. Dieser Nonsens muss mal ein Ende finden!“ Die Pflege sei kein Lückenschließer oder eine bezahlte Übergangslösung für das Medizinstudium. "Dafür haben wir zu viel zu tun", zeigt sich Mai engagiert.

Einzig für das Verständnis gegenüber den künftigen pflegenden Kolleginnen und Kollegen könne der Vorschlag Sinn ergeben. „Der Vorschlag der KV, angehenden Ärztinnen und Ärzten ein Pflegepraktikum vorzuschreiben kann sicherlich zum Verständnis des Berufsbildes und der Herausforderungen sinnvoll beitragen. Auch das Kennenlernen der Arbeitsweise, und vor allem der oftmals angespannten Situation der pflegenden Kolleginnen und Kollegen helfen den jungen Menschen sicherlich einen realistischen Einblick zu bekommen“, findet Mai. Allerdings gebe es im Rahmen des Studiums bereits die Vorschrift, ein entsprechendes dreimonatiges Pflegepraktikum zu absolvieren, was erfahrungsgemäß nicht zu Freudenbekundungen bei den Medizinstudierenden führe. Ungeklärt sei außerdem in beiden Fällen die Finanzierung der umfassenden Betreuung der Praktikantinnen und Praktikanten.

Besser wäre es nach Mai, die beiden Ausbildungen in der Perspektive stärker zu vernetzen. Erste Modellversuche zu einer gemeinsamen Ausbildung von Pflegefachkräften und Medizinern, zum Beispiel beim Zentrum für Allgemeinmedizin der Universität Heidelberg, zeigen bereits gute Ansätze. „Auf dieser Basis könnten wir sicher Modelle entwickeln. Ob diese flächendeckend sinnvoll eingesetzt werden können bleibt abzuwarten und hängt unter anderem von der Konzeptionierung und der finanziellen Ausstattung ab“, erläutert Mai nachdenklich.

Gemeinsame Aufgabenbearbeitung im Sinne einer sichergestellten Versorgung vor Ort weiter diskutieren     

Im Rahmen einer weiteren Verbesserung der Zusammenarbeit zwischen den Berufsgruppen im Gesundheitswesen, insbesondere zwischen Pflegenden und Medizinern, schlägt Mai eine noch intensivere Zusammenarbeit in Eigenständigkeit und auf Augenhöhe vor. „Für uns alle sind diese Themen relevant und nicht immer ganz einfach handzuhaben. Nichtsdestotrotz müssen wir auch an dieser Stelle weiter am Ball bleiben“, weiß Mai.

Pflegekammer und KV könnten in diesem Zusammenhang weiter diskutieren und gemeinsame Ansätze erarbeiten. „Die interprofessionelle Zusammenarbeit ist von enorm hoher Bedeutung und wird weiter zunehmen. Daher werden wir auch weiter das konstruktive und pragmatische Gespräch suchen“, bietet der Kammerpräsident an.

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