Offener Brief - Land muss seiner finanziellen Verantwortung nachkommen

Mainz, 6.4.2021

PTHV verkündet Abwicklung der Fakultät Pflegewissenschaft

Sehr geehrte Damen und Herren,

noch immer stellt die Corona-Herausforderung für die berufliche Pflege eine immense Herausforderung dar. Dies lässt sich auch an den wieder steigenden Patientenzahlen auf den Intensivstationen ablesen. Gerade für Pflegefachpersonen, die bereits vor der Pandemie in vielen Heimen und Kliniken tagtäglich an ihre Belastungsgrenze stießen, ist das Coronavirus und die zögernde Haltung der politisch Verantwortlichen auf Bundes- und Landesebene eine zunehmend unentschuldbare Zumutung. Auch wenn das Bewusstsein für die Probleme in der Pflege sowohl in der Medienbranche (etwa in den Nachrichten oder durch siebenstündige Reportagen auf Privatsendern) als auch in der Gesellschaft wächst, werden wir in unserem Kampf für bessere Versorgungsergebnisse, Arbeitsbedingungen und eine gerechtere Vergütung immer wieder nachhaltig zurückgeworfen.

Kurz vor dem Oster-Wochenende gab es nun einen weiteren riesigen Dämpfer für diese Bemühungen, der von den Verantwortlichen in seiner überregionalen Tragweite sicher gar nicht eingeschätzt werden kann: So verkündeten die Pallottiner, dass die Fakultät für Pflegewissenschaft in Vallendar aus wirtschaftlichen Gründen stillgelegt wird. Begründet wurde dieser Schritt mit der erschwerten Gebührenfinanzierung sowie mit dem Ausstieg der Marienhaus Holding und der damit größeren finanziellen Verantwortung als alleiniger Gesellschafter. Kurzum: Die einzige pflegewissenschaftliche Fakultät in Deutschland wird aufgelöst, weil die finanziellen Mittel für eine Aufrechterhaltung fehlen.

Für die professionelle Pflege und insbesondere für die für den Pflegeberuf ganz existenzielle Weiterentwicklung der Akademisierung ist diese Maßnahme nicht nur ein Schlag ins Gesicht, sondern nachhaltig ein Tritt unter die Gürtellinie und wurde von vielen fast schon als Aprilscherz aufgefasst. Die Ankündigung kam wie aus dem Nichts und beschäftigt seither natürlich auch Studierende und Mitarbeiter, deren Zukunft ungewiss ist und die sich, gelinde gesagt, vor den Kopf gestoßen fühlen. Für die Akademisierung der Pflege ist die Auflösung der Fakultät, die im Bereich der Pflegeakademisierung ein echtes Leuchtfeuer darstellt, ein herber Rückschlag. Dieses Leuchtfeuer wird nun aus finanziellen Gründen in einem Bundesland gelöscht, das bei der Stärkung unseres Berufsstandes an vorderster Front mitkämpfen möchte.

In unserem vorherigen Schreiben haben wir bereits deutlich gemacht, welch elementare Rolle die Pflegeausbildung bei der Sicherstellung der pflegerischen Versorgung in Einrichtungen und Krankenhäusern spielt. Eine Aufstockung der Ausbildungsplätze muss zweifellos zu den wichtigsten Maßnahmen bei einer zukunftsorientieren Neuausrichtung der beruflichen Pflege gehören. Für eine erfolgreiche Ausbildung braucht man sowohl junge Menschen, die in großer Zahl bereit sind, den Pflegeberuf zu erlernen, als auch Lehrende, die durch die Stilllegung der Fakultät, die ja auch Teil eines Lehramtstudienganges "Pflege" ist, fehlen werden. Die einzelnen Studiengänge anderer Hochschulen im Land werden bei Weitem nicht ausreichen, um das Angebot und die Unabhängigkeit der pflegewissenschaftlichen Fakultät der PTHV ausgleichen zu können.

Der Grund für diesen drastischen Schritt wurde von den Pallottinern klar benannt: Es fehlen die finanziellen Mittel. Schon seit Jahren fordern wir eine wesentliche höhere finanzielle Beteiligung des Landes an den Ausgaben auch dieser Hochschule. Bislang wurde das immer mit dem Verweis auf den aufgrund der Trägerschaft begründeten privaten Hochschulstatus abgelehnt. Diese echte Nachlässigkeit der Landespolitik hat nun allerdings dazu geführt, dass die bundesweit einzige pflegewissenschaftliche Fakultät dem Vernehmen nach innerhalb eines Tages abgeschafft werden soll. Wir können uns nicht auf der einen Seite für eine Stärkung der beruflichen Pflege stark machen und zeitgleich bei der Akademisierung aufgrund wissenschaftspolitischer Ideologien und Denkhemmungen sparen. Das Land ist hier klar aufgefordert, seiner Verantwortung zur Erhaltung dieser einzigartigen Fakultät nachzukommen, da ansonsten die Akademisierung der Pflege weiter einbrechen wird. Dies wäre hinsichtlich des immer größer werdenden Personalmangels in keiner Weise zu verantworten. Wir sind offen auch für alternative Lösungen, die den Fakultätsstatus erhalten und fordern alle Mitverantwortlichen auf, sich sehr zeitnah an einen Tisch zu setzen, um angesichts der absolut nicht hilfreichen Vorgehensweise des jetzigen Trägers noch das zu retten, was es zu retten gibt.

Die Landespflegekammer Rheinland-Pfalz steht Ihnen als zuverlässiger Partner zur Seite, um im Bereich der Pflegeausbildung die nötige Abhilfe zu schaffen. Lassen Sie uns gemeinsam dafür sorgen, dass die Akademisierung der Pflege gerade in unserem Bundesland weiter voranschreitet.

 

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Markus Mai

Präsident

 

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