Vorstellungen des Pflegebevollmächtigten zur Verbesserung für professionell Pflegende müssen weiter ausgebaut werden

18.05.2018, Mainz

Vorstellungen des Pflegebevollmächtigten zur Verbesserung für professionell Pflegende müssen weiter ausgebaut werden

Sofortprogramm und Westerfellhaus´ Ideen als wichtiges Startsignal | Ergänzungen gleichzeitig unabdingbar

„Den zu Pflegenden geht es gut, wenn es den Pflegenden gut geht! Daher ist es ein gutes Signal, dass sich die neue Bundesregierung endlich aufrafft, die Situation der professionell Pflegenden in den Fokus zu nehmen.“ Mit diesen Worten begrüßt der Präsident der rheinland-pfälzischen Landespflegekammer, Dr. Markus Mai, die Vorstellungen des neuen Pflegebevollmächtigen der Bundesregierung, Andreas Westerfellhaus, zur Verbesserung der Rahmenbedingungen für professionell Pflegende. Das Positionspapier enthalte zahlreiche Ansätze, die es weiterzuverfolgen gelte.

 

Gleichzeitig macht Mai deutlich, dass es eine Vertrauenskrise zwischen den (gesundheits-)politischen Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträgern auf der einen Seite und den professionell Pflegenden auf der anderen Seite gebe. „Zu häufig haben wir von Versprechungen gehört, die sich anschließend in Luft aufgelöst haben. Damit muss Schluss sein!“ Mai betont aber auch, dass eine neue Ernsthaftigkeit beim Thema Pflege zu spüren sei. „Wir geben die Hoffnung nicht auf, dass wir substantielle Verbesserungen erleben werden und werden weiter daran arbeiten“.

 

Bundesregierung muss gute Maßnahmen für faire Arbeitsbedingungen umsetzen und weiterentwickeln

 

Westerfellhaus nimmt die Personengruppe der potentiellen Rückkehrer in das Berufsfeld und die „Aufstocker“ in den Blick. Als Anreiz für die betreffenden Personen soll eine steuerfreie Prämie, Westerfellhaus spricht an der Stelle von 5.000 € für Berufsrückkehrerinnen und Berufsrückkehrer, gezahlt werden. Darüber hinaus möchte der Pflegebevollmächtigte 3.000 € für Ausbildungsabsolventen ansetzen, wenn diese nach der Ausbildung direkt einsteigen. Damit verbunden soll eine Fortbildungsverpflichtung von 4 Tagen pro Jahr werden. Als „eine denkbare Maßnahme“ bezeichnet Mai diese Prämienlösung. „Noch besser wäre die Etablierung einer dauerhaften und monatlichen „Bleibeprämie“, quasi als Entschädigung für die stark angespannten Arbeitsbedingungen. Damit könnten wir einem der Hauptprobleme, der starken Fluktuation und der starken Abwanderung aus dem Berufsfeld, noch besser begegnen“, findet Mai. Die Kammer fordert mittelfristig die Gehälter in allen Pflegesettings jenseits von brutto 4.000 € festzusetzen und bietet darüber hinaus den Gewerkschaften die Unterstützung der Kammer in dieser Frage an.

 

Mai hebt hervor, dass die Kammer Westerfellhaus dabei unterstützen werde, faire Arbeitsbedingungen in der Pflege herzustellen. Konkret bedeutet dies, dass bei einer Reduktion auf 80% Arbeitszeit trotzdem 100% Lohn weitergezahlt werden soll. Voraussetzung dafür soll sein, dass die reduzierte Zeit auch tatsächlich den Pflegenden zur Erholung dient. Die nach wie vor hohe Anzahl der befristeten Arbeitsverhältnisse soll reduziert und mittel- bis langfristig völlig abgebaut werden. Dabei sollen einige Jahre als „Entlastungsmöglichkeit“ dienen. „Das hehre Ziel der fairen Arbeitsbedingungen unterstützen wir selbstverständlich voll und ganz. Noch fairer wäre es allerdings, wenn die geplanten Maßnahmen für alle Kolleginnen und Kollegen umgesetzt werden könnten. Profitieren sollten demnach auch diejenigen, die aktuell nicht zu 100% beschäftigt sind“.

 

Zur weitergehenden Umsetzung fairer Arbeitsbedingungen gehört für Westerfellhaus offenbar auch die Einführung innovativer Konzepte der Arbeitsbedingungen. Die Kostenträger sollen dabei nach Vorstellung des Unionspolitikers die Unternehmen bei der Bereitstellung innovativer Beschäftigungsansätze unterstützen. Mai fordert an der Stelle eine schnelle, weitergehende Beschäftigung mit dem Thema. „Die gewählten Formulierungen lassen viel Raum zur Spekulation, was sich dahinter verbergen könnte und welche Intention damit verfolgt wird. Um das sicher richtige Themenfeld nicht verpuffen zu lassen, muss hier eine schnelle umfassende Bearbeitung erfolgen.“, schlägt Mai vor.

 

„Jahrzehnt der Pflege“ kann beginnen

 

In Verbindung mit dem ebenfalls noch nicht abschließend konkretisierten Sofortprogramm, das sich bereits im Koalitionsvertrag findet, sieht Mai die Vorstellungen des Pflegebevollmächtigten der Bundesregierung auf dem richtigen Weg. „Die Maßnahmen reichen bei Weitem noch nicht aus, aber sie sind ein guter Beginn, um den Reformstau anzugehen.“

 

Auch wenn sich hinter den Vorstellungen noch zahlreiche Prüfaufträge verstecken und auch die parlamentarische Diskussion noch nicht begonnen hat, ist der Fokus zumindest endlich auf den mehr als berechtigten Forderungen der professionell Pflegenden. "Das „Jahrzehnt der Pflege“ kann und muss endlich starten“, zeigt sich Mai optimistisch.

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