Mainz, 28. Juli 2025 – Pflegefachpersonen in der Altenpflege verdienen so gut wie nie zuvor: Laut aktuellem Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit liegt der Medianlohn in der Altenpflege erstmals deutlich über 4.000 Euro. Demnach beträgt das mittlere monatliche Bruttoentgelt 4.153 Euro – ein Anstieg um rund 6,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Vor zehn Jahren lag der Medianlohn in der Altenpflege noch bei 2.557 Euro.
Zum Vergleich: Der allgemeine Medianlohn in Deutschland liegt aktuell bei 3.626 Euro. Altenpflegefachpersonen verdienen damit mittlerweile rund 527 Euro mehr als der Durchschnitt aller Beschäftigten. Auch das Ausbildungsgehalt in der Pflege hat in den vergangenen Jahren deutlich angezogen – Auszubildende erhalten laut BA im dritten Ausbildungsjahr im Schnitt über 1.200 Euro monatlich.
Die Zahlen zeigen: Die Aufwertung der Pflegeberufe wirkt, insbesondere tarifliche Vergütungen tragen zu dieser positiven Entwicklung bei. Trotzdem ist eine differenzierte Betrachtung angebracht. Ein Großteil der Beschäftigten in der Altenpflege arbeitet in Teilzeit – darunter vor allem Frauen. Damit droht vielen Pflegefachpersonen trotz verbesserter Gehälter weiterhin Altersarmut. In der öffentlichen Debatte wird Teilzeitarbeit mitunter pauschal als freiwillige Entscheidung dargestellt. Diese Sichtweise greift jedoch zu kurz. Viele beruflich Pflegende sehen sich aufgrund unflexibler Arbeitszeiten, unzureichender Betreuungsangebote oder hoher Belastung gezwungen, ihre Arbeitszeit zu reduzieren. Wer dies ignoriert, verkennt die strukturellen Rahmenbedingungen, unter denen Pflegearbeit geleistet wird – und verstellt den Blick auf notwendige Verbesserungen.
„Die Zahlen sind ein ermutigendes Signal, aber kein Grund zur Entwarnung“, sagt Dr. Markus Mai, Präsident der Landespflegekammer Rheinland-Pfalz. „Ein auskömmliches Einkommen ist wichtig – ebenso aber verlässliche Arbeitszeiten, planbare Dienstpläne und echte Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Es muss möglich sein, dass Menschen, die Kinder betreuen oder Angehörige pflegen, in Vollzeit arbeiten können, wenn sie dies möchten. Bereits Schulferien bringen viele Familien an ihre organisatorischen und finanziellen Grenzen. Hier braucht es bessere Strukturen.“
Die Pflege bleibt damit ein Beruf mit großer gesellschaftlicher Bedeutung – aber auch mit erheblichem Reformbedarf. Gute Bezahlung ist ein zentraler Baustein, reicht allein jedoch nicht aus, um Pflege zukunftsfest zu machen. Die Landespflegekammer verlangt daher weitere politische Anstrengungen, um Arbeitsbedingungen zu verbessern, Pflegefachpersonen im Beruf zu halten und den Beruf für junge Menschen attraktiv zu gestalten.