Mainz, 04.03.2026 – Der Personalmangel in der Pflege verschärft sich. Eine aktuelle Auswertung der Pflegekammer Rheinland-Pfalz zeigt: In vielen Städten und Landkreisen rücken deutlich weniger junge Pflegefachpersonen nach, als ältere in den kommenden Jahren ausscheiden werden. Das erhöht das Risiko regionaler Versorgungsengpässe.
Datenbasis: Berufsregister mit kommunaler Auswertung
Die Analyse basiert auf dem Berufsregister der Pflegekammer. Dieses Register liefert vollständige und belastbare Daten zur Altersstruktur der Pflegefachpersonen bis auf kommunale Ebene. Betrachtet wurden die Alterskohorten der 20- bis 29-Jährigen und über 50-Jährigen.
Kurzfristig angespannte Lage in mehreren Regionen
Kurzfristig ist die Lage vor allem dort angespannt, wo besonders viele Pflegefachpersonen älter als 60 Jahre sind. Das betrifft die Südliche Weinstraße, Bad Kreuznach, den Rhein-Hunsrück-Kreis, Altenkirchen und Landau. In diesen Regionen werden bereits in den nächsten zwei Jahren deutlich mehr Pflegefachpersonen in Rente gehen als jüngere nachrücken.
In den Landkreisen Südliche Weinstraße, Rhein-Hunsrück-Kreis und Mainz-Bingen ist in diesem Zeitraum ein Rückgang von jeweils über elf Prozentpunkte zu erwarten. Verstärkt wird diese Entwicklung durch ein niedriges durchschnittliches Austrittsalter aus dem Pflegeberuf, etwa durch Altersrente oder Erwerbsminderungsrente: In Rheinland-Pfalz liegt es derzeit bei 61,7 Jahren.
Mittelfristig droht strukturelles Defizit
Auch mittelfristig bleibt die Entwicklung kritisch. In den kommenden zwölf Jahren droht in mehreren Regionen ein strukturelles Defizit von bis zu 20 Prozentpunkten weniger Pflegefachpersonen als heute.
Besonders betroffen sind die Landkreise Südliche Weinstraße, Neuwied, Mayen-Koblenz, Zweibrücken, Mainz-Bingen und Südwestpfalz. Auch in Bernkastel-Wittlich, Trier-Saarburg, der Vulkaneifel und in der Stadt Mainz ist der Nachwuchssaldo negativ – wenn auch unterschiedlich stark ausgeprägt.
In der Stadt Trier hingegen ist das Verhältnis nahezu ausgeglichen, im Landkreis Birkenfeld nur leicht negativ und damit vergleichsweise stabil. Stabiler ist die Situation im Eifelkreis Bitburg-Prüm sowie in Kaiserslautern, Speyer, Pirmasens und Worms, wo rechnerisch mindestens ein ausgeglichener oder positiver Nachwuchssaldo besteht.
Steigender Bedarf trifft sinkende Fachkräftezahlen
Dem absehbaren Rückgang steht bereits heute ein hoher Versorgungsbedarf gegenüber. Die Zahl älterer und multimorbider Patientinnen und Patienten steigt kontinuierlich. Sinkende Fachkräftezahlen treffen somit auf eine wachsende Nachfrage nach professioneller Pflege.
Berufsregister als Planungsinstrument für Krisenfälle
Insgesamt zeigt sich: besonders ländliche Regionen sind betroffen. Der Nachwuchsmangel ist kein Randproblem einzelner Kreise, sondern ein strukturelles Risiko für die pflegerische Versorgung im Land. Die Landespflegammer bündelt die pflegefachliche und berufspolitische Expertise im Rheinland-Pfalz und steht der Landespolitik als Partner für eine zukunftsfähige pflegerische Versorgung im Land zur Seite.
Das Berufsregister der Landespflegekammer ist dabei nicht nur Datengrundlage für die Entwicklung und Steuerung der pflegerischen Versorgung, sondern auch unverzichtbares Planungsinstrument im Katastrophenschutz, etwa bei Pandemien, Naturkatastrophen wie im Ahrtal oder zur Vorbereitung auf geopolitisch bedingte Krisenlagen.
Bereits während der Corona-Pandemie wurden über das Register Pflegefachpersonen landesweit in einem freiwilligen Pflegepool erfasst und rund um die Uhr in Einrichtungen vermittelt, in denen die Versorgung aufgrund der Pandemie vor dem Zusammenbruch stand. Auch nach der Flutkatastrophe im Ahrtal half das Register, kurzfristig qualifiziertes Personal zu identifizieren und zu koordinieren.