Pflegekammer Rheinland-Pfalz stellt Ergebnisse aktueller Umfrage vor – Belastung bleibt hoch trotz gestiegener Zufriedenheit

Mainz, 28.08.2025 – Die Landespflegekammer Rheinland-Pfalz hat gemeinsam mit dem Institut für Demoskopie Allensbach die Ergebnisse der aktuellen Mitgliederbefragung zur beruflichen Situation der Pflegefachpersonen in Rheinland-Pfalz vorgestellt.

 

„Erstmals seit Beginn der Erhebungen im Jahr 2019 sind mehr als die Hälfte der Pflegefachpersonen mit ihrer beruflichen Situation (51 Prozent) und ihrem Einkommen (53 Prozent) zufrieden. Dennoch bleibt die Arbeitsbelastung hoch und viele Probleme bestehen fort“, sagt Dr. Markus Mai, Präsident der Landespflegekammer.

 

Arbeitsbelastung
Zeitdruck (70 Prozent) und Verwaltungsaufwand (73 Prozent) zählen zu den größten Belastungen. Besonders im Schichtdienst fühlen sich Pflegefachpersonen stark beansprucht. Eine begleitende Umfrage der Kammer mit der Deutschen Krankenhausgesellschaft ergab, dass rund ein Drittel der Befragten täglich 1,5 bis 2 Stunden für Dokumentation aufwendet, ein Fünftel sogar bis zu fünf Stunden. Dadurch bleibt oft nur wenig Zeit für die direkte Versorgung der Patientinnen und Patienten. Die Kammer fordert, Dokumentationspflichten zu vereinfachen, Standards zu vereinheitlichen und digitale Verfahren konsequent einzusetzen. Fachfremde Tätigkeiten sollten nicht von Pflegefachpersonen übernommen werden. Zudem spricht sich die Kammer für eine Rückkehr zum Pflegebudget von vor 2024 aus, um Service- und Reinigungsarbeiten wieder refinanzieren zu können. „Die Finanzierung von Pflegefachpersonen darf nicht dazu führen, dass an anderem Personal gespart wird – sonst fehlt Menschen mit Pflegebedarf wichtige Unterstützung!“, erklärt Mai.

 

Gewalt gegen Pflegepersonal
Rund 70 Prozent der Befragten berichten von körperlichen Übergriffen durch Patientinnen, Patienten oder Angehörige. Die Kammer betont, dass Gewaltprävention nicht allein Aufgabe der Einrichtungen sein kann, sondern eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe ist. Notwendig seien refinanzierte Schutzmaßnahmen, Deeskalationstrainings sowie medizinische und psychologische Unterstützung für Betroffene.

 

Mobilität und Krankenhausreform
84 Prozent der Pflegefachpersonen pendeln mit dem Auto, im Schnitt 18 Kilometer. Die geplante Umstrukturierung der Krankenhauslandschaft könnte längere Wege für Fachpersonal und Patienten bedeuten. In einem Flächenland wie Rheinland-Pfalz drohe dadurch zusätzlicher Personalverlust. Die Kammer fordert, Reformen an die regionale Struktur anzupassen und Klinikschließungen zu vermeiden. Wo der ÖPNV unzureichend ist, sollte den Beschäftigten kostenfreie Parkplätze bereitgestellt werden.  

 

Unterstützung junger Pflegefachpersonen
Fast die Hälfte der unter 30-Jährigen fühlt sich fachlich unzureichend vorbereitet und ist überdurchschnittlich häufig von Gewalt betroffen. Ausbildungsabbrüche nehmen zu, während immer weniger Pflegefachpersonen eine Weiterbildung zur Praxisanleitung absolvieren. Die Kammer fordert deshalb eine bessere Begleitung junger Pflegekräfte durch strukturierte Einarbeitung und Mentoring-Programme sowie die gesicherte Refinanzierung von Weiterbildungsangeboten für Praxisanleitungen.

 

„Wir sehen eine erfreuliche Entwicklung bei der Zufriedenheit der Beschäftigten – sie darf allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass die zentralen Probleme ungelöst bleiben“, fasst Mai die Ergebnisse zusammen. „Wenn Pflegefachpersonen immer mehr Zeit mit Dokumentation und fachfremden Tätigkeiten verbringen und zugleich Gewalt ausgesetzt sind, gefährdet das nicht nur ihre Gesundheit, sondern die gesamte pflegerische Versorgung.“ Ohne konkrete politische und strukturelle Verbesserungen drohen Abwanderung aus dem Beruf und weitere Überlastung.

 

Zu den Ergebnissen der Umfrage

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